Peter Berz (Hg.), Helmut Höge (Hg.)

Anti-Darwin

Von Lamarck bis Mandelstam

Der molekulargenetisch-industrielle Komplex, flankiert von der biologischen Wende in allen Diskursen, ist ethisch nicht zu erschüttern. Allein ein Angriff auf sein Wissen könnte ihm eines Tages gefährlich werden. Das Überwissen allen Wissens der Biologie stellt aber bis heute Darwins Evolutionstheorie. Die lange Geschichte ihrer Gegner ist geheim, unordentlich, konkret – durchdrungen von politischen Passionen und kältesten Strukturen, von Maschinenstürmen und millenaristischen Utopien. An ihrem Anfang stehen die fühlenden, erregten Tiere des legendären Chevalier de Lamarck. Bereits ihre Enkel, Kropotkins zitternde, sich zusammenrottende Hirsche in den Weiten des Amur, versetzen der Theorie der Überbevölkerung mitsamt dem Kampf der Arten empfindliche Stöße. Antidarwinistische Politik, das ist bis in die sowjetische Biologie Mitschurins und Lyssenkos die Begründung einer anderen Zeit: der »lange Bart der Evolution« in Hunderttausenden von Generationen, abgeschnitten durch die Vererbung erworbener Eigenschaften. Wo aber Umwelt und Lernen die Kräfte der Entwicklung sind, da können nur zwei zusammen lernen, Tier und Mensch, Mensch und Tier.

Anti-Darwin
Der Erscheinungstermin des Buches ist ungewiss.

350 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert
ISBN 978-3-931659-77-6
  • Info

    Peter Berz

    PD Dr. Peter Berz Kultur-/Medienwissenschaftler, 2008-2013 Mitarbeiter, zuletzt im ZfL-Projekt »Übertragungswissen– Wissensübertragungen. Zur Geschichte und Aktualität des Transfers zwischen Lebens- und Geisteswissenschaften (1930/1970/2010)«. Seit 2012 zugleich Short term Fellow am Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie Weimar mit dem Projekt »Die molekulare Kybernetik und ihre Metaphysik. Jacques Monods Naturphilosophie«. Außerdem Privatdozent am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.

  • Info

    Helmut Höge

    Helmut Höge, geboren 1947, arbeitete als Übersetzer bei der US Air Force und für einen indischen Zoohändler, der Elefanten in die DDR verkaufte. Er ist namentlich als Redakteur bei der tageszeitung (taz) bekannt, für die er seit deren Anfangszeit schreibt. Zuletzt fiel Höge besonders durch seine Kolumne »Hier spricht der Aushilfshausmeister« auf, die regelmäßig im taz-Blog erscheint. Darüber hinaus schrieb Höge eine Reihe von dokumentarischen Büchern, von denen jedoch viele unter Pseudonymen bzw. unter fiktiven Gruppennamen erschienen.

    • Helmut Höge  

      WPP

      Wölfe – Partisanen – Prostituierte

      broschiert, 302 Seiten
      19,90 EUR