24,80 EUR
Wolfgang Ernst

Chronopoetik

Zeitweisen und Zeitgaben technischer Medien

Das Dasein technischer Medien entbirgt sich im Moment ihres konkreten Vollzugs. Tätige Medien sind nicht, sie zeitigen. Das vorliegende Werk behandelt chronotechnische Instanziierungen in Apparaten und Menschen. Es findet sich dabei in Gesellschaft einer Reihe grundlegender Befragungen über diese Vertäuung von Zeit & Medien, sucht diese jedoch in dezidiert medienarchäologischen Hinsichten zu vertiefen. Es stellt sich den Eskalationen der sogenannten zeitbasierten Medien zunächst in der Zuspitzung auf zeitkritische Prozesse. Dies erfordert genaueste Fokussierung: die konkrete Beschreibung und medienepistemologische Entfaltung ihrer technologischen Bedingungen, d. h. sowohl hinsichtlich von »techné« als auch von »logos«, von Materialität und Zahl (vulgo elektrotechnisch »analog« und technomathematisch »digital«). Eingefaltet in diese mikrotechnische Zeitkritik sind Diskussionen der phänomenologischen Zeitaffekte, die sie bei Menschen hervorrufen, sowie die Frage, wie diese Zeitweisen anders als im Gewand von Mediengeschichte darstellbar sind; alle drei Ebenen der Medienzeitanalyse resultieren auseinander. Der Fokus auf zeitkritische Tempor(e)alitäten stellt dabei nicht einen weiteren Fluchtpunkt in der Serie epistemologischer »turns« dar, und schon gar nicht ist der Begriff »Zeit« das durchlaufende transzendente Signifikat der vorliegenden Analysen, der diverse operative, chronotechnische Figuren bündelt; vielmehr wird Zeit als Kollektivsingular begriffen, der durch medientechnische Zeitweisen radikal pluralisiert, aufgelöst und treffender durch eine Vielzahl technomathematischer Fachtermini benannt wird, die vom Diracimpuls über den Phasenwinkel und das Zeitverschiebungsintervall bis hin zur Autokorrelationsfunktion und zum Faltungsprodukt reichen.

Chronopoetik
Berliner PROGRAMM einer Medienwissenschaft Bd. 10
Januar 2013
428 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert,
25 Abbildungen
ISBN 978-3-86599-143-0
  • Info

    Wolfgang Ernst

    Prof. Dr. Wolfgang Ernst wurde mit einem museumshistorischen Thema promoviert; seine Habilitationsschrift »Im Namen von Geschichte« befasst sich mit deutschen Gedächtnisagenturen im 19. und 20. Jahrhundert. Nach diversen Gast- und Vertretungsprofessuren ist er seit 2003 Ordentlicher Professor für Medientheorien am Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind zeitkritische Medienprozesse, Speicher- und Archivtheorie, Medienarchäologie als Methode und Definitionen des Sonischen. Er ist Mitherausgeber der Reihe »Berliner Programm einer Medienwissenschaft« beim Kulturverlag Kadmos; dort erschienen zuletzt die Zwillingsbände »Chronopoetik« sowie »Gleichursprünglichkeit« (2012).

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