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Wolfgang Ernst

Das Gesetz des Gedächtnisses

Speichermedien als Übertrag des 20. Jahrhunderts

Am Ende des 20. Jahrhundert schauten wir – im Unterschied zu 2500 Jahren schriftbasierter Geschichte des Abendlandes – auf eine neue Form der kulturellen Bewahrung und Überlieferung zurück: das audiovisuelle Gedächtnis, das im Zuge der Medien Photographie, Grammophon, Film, Radio, Video, Fernsehen und schließlich Computer (im Verbund mit dem Internet) etwas fixiert, das vorher undenkbar war: Bewegungen des Lebens selbst. Die traditionellen Dokumentationsdisziplinen haben sich erst zögernd dieses neuartigen Erbes angenommen; die medienwissenschaftlich informierten Kulturwissenschaften ihrerseits widmen ihre Aufmerksamkeit zunehmend den sogenannten Kulturtechniken. Die technischen Medien – so eine These dieses Buches – erweitern nicht nur den Raum des kulturellen Archivs, sondern generieren ganz und gar neue Typen des Gedächtnisses, die sich vielleicht nur noch metaphorisch unter dem Begriff »Archiv« fassen lassen. Es scheint, dass mit den elektronischen Medien eine Akzentverschiebung von der okzidentalen Privilegierung von Kultur als Funktion ihrer Speicher (Orte, Denkmäler, Institutionen) hin zum dynamischen Recycling von kulturellen Daten stattfindet; oder um es – im Sinne des Buches – zu pointieren: von der Speicherung zur Übertragung. Die Konsequenzen daraus für die Medienkultur zu analysieren und einen aktiven Beitrag zum medienarchäologischen Umdenken vertrauter Kategorien des Gedächtnisses zu leisten, ist das Anliegen dieser Schrift.

Das Gesetz des Gedächtnisses
Kaleidogramme Bd. 15
Oktober 2007
358 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert,
7 Abbildungen
ISBN 978-3-86599-016-7
  • Info

    Wolfgang Ernst

    Prof. Dr. Wolfgang Ernst wurde mit einem museumshistorischen Thema promoviert; seine Habilitationsschrift »Im Namen von Geschichte« befasst sich mit deutschen Gedächtnisagenturen im 19. und 20. Jahrhundert. Nach diversen Gast- und Vertretungsprofessuren ist er seit 2003 Ordentlicher Professor für Medientheorien am Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind zeitkritische Medienprozesse, Speicher- und Archivtheorie, Medienarchäologie als Methode und Definitionen des Sonischen. Er ist Mitherausgeber der Reihe »Berliner Programm einer Medienwissenschaft« beim Kulturverlag Kadmos; dort erschienen zuletzt die Zwillingsbände »Chronopoetik« sowie »Gleichursprünglichkeit« (2012).

    • Wolfgang Ernst  

      Chronopoetik

      Zeitweisen und Zeitgaben technischer Medien

      broschiert, 428 Seiten
      24,80 EUR
    • Wolfgang Ernst  

      Gleichursprünglichkeit

      Zeitwesen und Zeitgegebenheit technischer Medien

      broschiert, 460 Seiten
      24,80 EUR
    • Wolfgang Ernst (Hg.), Johannes Maibaum (Hg.), Horst Völz (Hg.)  

      Horst Völz: Speichertheorie

      Ausgewählte Schriften zur Elektronik, Informatik und Kultur technischer Speicher

      broschiert, 200 Seiten
      22,50 EUR
    • Wolfgang Ernst  

      Im Medium erklingt die Zeit

      Technologische Tempor(e)alitäten und das Sonische als ihre privilegierte Erkenntnisform

      broschiert, 224 Seiten
      22,50 EUR
    • Wolfgang Ernst, Wladimir Velminski  

      Semen Karsakov. Ideenmaschine

      Von der Homöopathie zum Computer

      gebunden, 184 Seiten
      19,90 EUR
    • Wolfgang Ernst (Hg.), Stefan Heidenreich (Hg.), Ute Holl (Hg.)  

      Suchbilder

      Visuelle Kultur zwischen Algorithmen und Archiven

      broschiert, 176 Seiten
      18,50 EUR