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Marcus Krause

Infame Menschen

Zur Epistemologie literarischer Fallgeschichten 1774−1816

Die Fallgeschichte ist in der Moderne eines der grundlegenden Narrative und Erkenntnisinstrumente nicht nur der wissenschaftlichen, sondern auch der populärkulturellen Beschreibung des Menschen, welche die Charakterisierung eines Individuums und seiner konkreten Lebensumstände mit grundsätzlichen anthropologischen Einsichten zu verbinden sucht. Großen Anteil an dieser Erfolgsgeschichte des Falls hat eine um 1800 sich vollziehende fundamentale Umstellung der Epistemologie der Fallgeschichte, welche den Fall ausgehend von der Konstruktion eines Subjekts zu denken beginnt, das gerade aufgrund seiner Einzigartigkeit für andere Individuen repräsentativ sein soll. Die Untersuchung geht dieser Verschiebung nach, indem sie anhand von Johann Wolfgang von Goethes »Leiden des jungen Werthers«, Friedrich Schillers »Verbrecher aus verlorener Ehre«, Karl Philipp Moritz‘ »Aus K…s Papieren« und E.T.A. Hoffmanns »Der Sandmann« vier zentrale Formationen des modernen Falldenkens analysiert und in diesen Analysen insbesondere solchen Interaktionen zwischen literarischen und psychologischen Beschreibungsmustern nachspürt, welche bis heute das Verständnis und die Regierung des Menschen prägen.

Infame Menschen
Kaleidogramme Bd. 148
April 2017
282 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert
ISBN 978-3-86599-346-5
  • Info

    Marcus Krause

    Marcus Krause arbeitet als Literaturwissenschaftler an der Universität zu Köln. Neben Texten über Autoren wie Gottfried Benn, E. T. A. Hoffmann, Sigmund Freud, Robert Musil oder Thomas Pynchon hat er u. a. Bücher zur Fernsehserie 'The Wire', über das Verhältnis von Medien und Verschwörungstheorien, zur Kulturgeschichte des Menschenversuchs und über Normalisierungsprozeduren veröffentlicht.