Ingrid Allwardt

Die Stimme der Diotima

Friedrich Hölderlin und Luigi Nono

Ein Komponist, Luigi Nono, beginnt seine Partitur mit einem mehrschichtigen Vorwort im Anschluss an einen geheimnisvollen Titel: »Fragmente - Stille, An Diotima«. Er fügt diesem musikalischen Notationssystem in seiner Funktion als Spielanweisung eine weitere Anleitung hinzu: wie zu lesen sei. Zu lesen sind zunächst nicht konkret-spieltechnische Hinweise, also Noten und Vortragsanweisungen, sondern poetische Worte. Worte, die den Einstieg in die Komposition begleiten mit der Aufforderung an ihre Interpreten, sie nicht hörbar, sondern innerlich in Worten, nicht in Notation zu »singen«, und zwar ganz »nach ihrem Selbstverständnis, nach dem Selbstverständnis von Klängen«. Worte eines Dichters, der in seiner Sprache komponiert, selbst ganze »Partituren« schreibt: Fragmente aus Gedichten Friedrich Hölderlins, die um die Figur der Diotima kreisen. Beide, Komponist und Dichter, inszenieren die Paradoxie der Stimme, die zugleich mit allem, was sie sagt und will, auf Abwesendes, auf noch nicht und nicht mehr Aktuelles Bezug nimmt.

Die Stimme der Diotima
zur Zeit nicht lieferbar

copyrights Bd. 14
Mai 2005
192 Seiten, 15,5 x 23 cm, broschiert,
23 Abbildungen
ISBN 978-3-931659-58-5
  • Info

    Ingrid Allwardt

    Dr. Ingrid Allwardt; seit Januar 2013 Verlagsmanagerin im Schott Verlag in Mainz. Sie wurde 1971 in Kiel geboren und studierte Schulmusik und Germanistik an der Hochschule für Musik und Theater sowie an der Universität Hamburg. Im Anschluss sammelte sie bei Festivals, Agenturen, Rundfunk- und Fernsehanstalten praktische Erfahrungen im Bereich Musikmanagement. Als Musikdramaturgin entwickelte sie eigene Formen der Vermittlung von Musik für Kinder und Erwachsene. 2003 schloss sie ihre Promotion über die Paradoxie der Stimme bei Luigi Nono und Friedrich Hölderlin an der Universität Witten/Herdecke ab und übernahm dort 2005 die Vertretung des Lehrstuhls Phänomenologie der Musik. Als Konzertdramaturgin entwickelte sie spezielle Formate der Musikvermittlung, als Wissenschaftlerin initiierte sie neben Konzert- und Vortragsreihen und künstlerischen Projekten im universitären Kontext Symposien. Allwardt war von 2007 Ende 2012 Gründungsgeschäftsführerin des »netzwerk junge ohren« in Berlin. 2008 bis 2011 hatte sie eine Gastprofessur an der Hafencity Universität Hamburg inne.