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Roman Dubasevych (Hg.), Matthias Schwartz (Hg.)

Sirenen des Krieges

Diskursive und affektive Dimensionen des Ukraine-Konflikts

Mit dem Ausbruch eines Krieges in der Ostukraine hatte vor 2014 niemand gerechnet. Die rasante Geschwindigkeit, mit der die innenpolitische Krise in einer der einst stabilsten ehemaligen Sowjetrepubliken zu einem hybriden Krieg eskalierte, deutet dabei nicht nur auf rationale militär- bzw. wirtschaftsstrategische Interessen hin. Obwohl die Ukraine und Russland eine jahrhundertealte gemeinsame Geschichte und kulturelle Nähe verbindet, offenbart der Konflikt auch tiefe gegenseitige Ressentiments und geschichtspolitische Obsessionen, die bereits lange vorher in künstlerischen Werken und kulturellen Diskursen präsent waren.

In der Ukraine-Krise kam es zu einer Reinszenierung kollektiver Phantasmen, historischer Helden- und Opfermythen. Paradoxerweise aber eröffneten die Gewaltbereitschaft und Kriegslust, mit der alle Parteien auf lokaler, nationaler und virtueller Ebene diese Dynamik vorantrieben, unter anderem Kulturschaffenden auch Möglichkeiten, die gefühlte Ohnmacht zu überwinden und gesellschaftlich handlungsfähig zu werden. Diese Entwicklung ist tief durch die (post-)sowjetischen Erfahrungen geprägt und zugleich eng mit globalen und medialen Veränderungen verbunden. Die Fallstudien des Bandes loten die affektiven und diskursiven Dimensionen des Konfliktes aus und leisten damit einen Beitrag zur Konzeptualisierung der postsozialistischen Gesellschaften und Kulturen im Osten Europas.

Sirenen des Krieges
LiteraturForschung Bd. 38
Dezember 2019
373 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert,
42 Abbildungen
ISBN 978-3-86599-356-4
  • Info

    Roman Dubasevych

    Roman Dubasevych ist Juniorprofessor für Ukrainische Kulturwissenschaft am Institut für Slawistik der Universität Greifswald. Forschungsinteressen: ukrainische, russische und polnische Literaturen der Gegenwart, österreichische und jüdische Literaturen Galiziens, Theorien des kulturellen Gedächtnisses und der Postmoderne, die Postkoloniale Theorie in Mittel- und Osteuropa, Psychoanalyse, Pop- und Rockkultur, Diskurse der Gewalt im Ukraine-Krieg.

  • Info

    Matthias Schwartz

    Matthias Schwartz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZfL. Seine Forschungen beziehen sich auf osteuropäische Affektkulturen, Erinnerungskulturen und Gegenwartsliteraturen sowie auf die Kulturgeschichte russischer und sowjetischer Abenteuerliteratur, Science-Fiction und Raumfahrt.

    • Zaal Andronikashvili (Hg.), Giorgi Maisuradze (Hg.), Matthias Schwartz (Hg.), Franziska Thun-Hohenstein (Hg.)  

      Kulturheros

      Genealogien. Konstellationen. Praktiken

      broschiert, 644 Seiten
      34,80 EUR