10. Dezember 2020

Süßer die Bücher nie klingen...

Unser Newsletter im Dezember

Hier kommt er, der letzte Newsletter von uns in diesem Jahr. 2020 war anders als die 24 Verlagsjahre davor. Im Schlechten, aber vor allem auch im Guten. Denn immerhin haben wir es geschafft, während einer globalen Pandemie nicht (naja, zumindest nicht völlig) die Nerven zu verlieren. Oder noch schlimmer: unsere Kreativität. Wir haben neben duschenden Capybaras und groovenden Kanadaschnepfen wieder zahlreiche schöne Bücher in die Welt gebracht, und unsere Teams aus dem 5.UG (Sie erinnern sich: das Kadmos-Logistikzentrum...) arbeiten seit Tagen fleißig daran, sie Ihnen pünktlich zum Weihnachtsfest zuzuschicken. Während die 25 Postschleckalpakas dieses Jahr besondere Hygienevorschriften einhalten müssen (jeder Versuch, der flauschigen Kollegschaft selbstklebende Briefmarken in die Schwielen zu geben, stieß auf Widerstand), sind unsere 48 Logistikesel wie üblich in der gesamten Bundesrepublik unterwegs. Bevor wir Ihnen unsere erste Neuerscheinung vorstellen, seien Sie ganz beruhigt: Unsere langohrigen Zusteller sind durch uns selbstverständlich für gravierende Formen von Muskelkater und Bandscheibenvorfälle zusatzversichert.

Allein optisch beeindruckend ist unser Erratischer Block »Kalkül der Scham. Der soziale Affekt und das Politische«. Und auch inhaltlich ist diese druckfrische Neuerscheinung überaus interessant: Auf über 850 Seiten beschäftigt sich Jürgen Riethmüller in seinem Buch mit der historischen, psychologischen, philosophischen, psychoanalytischen, kulturtheoretischen und soziologischen Forschung zum »stillen Affekt« Scham. Vor dem Hintergrund der kulturellen Pluralisierungsprozesse der letzten Dekaden kann er so herausarbeiten, inwiefern die gegenwärtige politische Spaltung der spätneoliberalen Gesellschaften des Westens auf einer Ressentiment-Ökonomie basiert, die auf die desintegrierende Rolle verweigerter Anerkennung und politisch instrumentalisierter Beschämung verweist.

Voraussichtlich zur Mitte des Monats werden dann auch endlich die »Hamburger Tiere« von Marie Parakenings fertig. Viele von Ihnen kennen sicherlich schon die wunderschönen Illustrationen und interessanten Geschichten aus den »Berliner Tieren«; dieser neue »Guide für Naturbanausen und Stadtkinder« ist ein Fortsetzungsband für alle, die die schöne Hansestadt bewohnen, lieben und/oder vermissen: Die Hamburger Tiere haben sich hervorragend an das Großstadtleben angepasst und können mit einer Menge erstaunlicher und spannender Fakten auftrumpfen. Wussten Sie zum Beispiel, dass sich 4.000 Möwen auf dem Dach eines Logistikzentrums in Moorfleet eingenistet haben? Dass die Brückenspinnen der HafenCity bis zu 1.500 Nachkommen in ihrem kurzen Leben zeugen können? Oder dass 120 Alsterschwäne ihr Winterquartier im Eppendorfer Mühlenteich haben? In Hamburg gibt es wirklich tierisch viel zu entdecken!

Genauso übrigens auf unserem Instagram-Profil (kulturverlag_kadmos). Schauen Sie doch mal vorbei. Unsere thematischen Bücherstapel, mit Liebe ausgewählt und mit Lametta drapiert, sind eine gute Hilfe bei der Auswahl von Weihnachtsgeschenken. Zum Beispiel empfehlen wir Fans penibler Ordnung neben »Putzen als Passion« von Nicole C. Karafyllis auch »Bürokratische Leidenschaften« von Sven Spieker (Hg.). Berliner Gewächse und Heimwehkranke werden in unseren Titeln zur Hauptstadt fündig (»Berliner Tiere«, »Berlin bewegt sich schneller, als ich schreibe«, »Das Humboldt-Forum. Eine Ethnografie seiner Planung«, »Berlin. Absolute Stadt«). Und wer zum Fest noch eine besonders dicke Lektüre für den nächsten Lockdown oder als Briefbeschwerer sucht, kann ja mal unsere »Big Five« anschauen: »Wilde Archäologien 1. Theorien der materiellen Kultur von Kant bis Kittler« von Knut Ebeling (768 Seiten), »Wilde Archäologien 2. Begriffe der Materialität der Zeit – von Archiv bis Zerstörung« (568), »Zur Genealogie des MedienDenkens« von Florian Hadler und Daniel Irrgang (Hg.) (640), »What's next? Kunst nach der Krise« von Johannes M. Hedinger und Torsten Meyer (Hg.) (666) und »Kalkül der Scham« von Jürgen Riethmüller (858 Seiten. Ein Verlagsrekord!) . Messen Sie bitte vor Ihrer Bestellung, ob für diese Schmuckstücke noch Platz unter Ihrem Baum ist. Und kaufen Sie gegebenenfalls einen größeren Baum.

Für besinnliche Stunden zwischen den Jahren möchten wir Ihnen auch dieses Jahr wieder »Weihnachten. Eine Spurensuche« von Hans Förster ans Herz legen. Weihnachten ist ein tief in unserer Gesellschaft verwurzeltes Fest. Dessen Anfänge liegen jedoch im Dunkeln und warum es überhaupt eingeführt wurde, ist immer noch eine offene Frage. Der Autor, ein Kenner der Materie, setzt sich mit der Entstehung des Weihnachtsfestes auseinander und führt auf einen spannenden Streifzug durch die Zeit, als die Menschen noch stritten, ob dieses Fest überhaupt gefeiert werden muss.
Zudem lädt wohl keiner der letzten Winter mehr als dieser dazu ein, über den »Erfahrungsraum Stille« nachzudenken. Kristin Wenzel geht diesem in ihrer ästhetisch-phänomenologischen Betrachtung nach: Ereignet sich anstelle von Klang oder Sprache, Musik oder Lärm lediglich Stille oder vielmehr das, was wir für Stille halten, kommt ein unerwartetes Aufmerken in Gang. Die Stille kann auffordern, genauer hinzuhören, aber auch genauer hinzusehen. Ein plötzliches Aufmerken geschieht jedoch nur, wenn die Stille den Wahrnehmenden unerwartet trifft.
Wer nach dem Fest lieber in einem fesselnden Roman schmökern möchte, dem sei wärmstens das Buch von Matthias A. K. Zimmermann empfohlen. Das technoide Märchen »KRYONIUM. Die Experimente der Erinnerung« setzt sich in einer raffinierten Geschichte mit virtuellen Welten und der Bedeutung von Erinnerungen auseinander: Gefangen an einem unbekannten Ort, schmiedet der Erzähler heimlich Fluchtpläne. Die Tatsache, ohne Erinnerungen zu sein, erschwert das Vorhaben. Doch der Drang, endlich auszubrechen aus diesem furchteinflößenden, schneeverwobenen Schloss, lässt ihn jedes Risiko eingehen. Und so gerät der Erzähler immer tiefer hinein in einen wirren Strudel aus rätselhaften Begegnungen und magischer Paranoia, die er spielerisch zu entschlüsseln hofft, was ihn letztlich zum Ursprung seiner Erinnerungen führt.

Wer nun geschenketechnisch immer noch nicht inspiriert ist, kann sich mal in »Kadmos‘ koolen Postkartenkalendern« umschauen. Unsere Kollektion, bestehend aus dem »(Un)literarischen Eselkalender«, »Street’N‘Art«, »SIGNS« und »Berlin Black’N’White«, hat zwar keinen Einfluss auf den pandemischen Verlauf von 2021 – sorgt aber mit einer Postkarte pro Woche für Farbe, Witz und gute Laune im Alltag. Und mit dem neuen Format »Biblische Tiere«, ebenfalls illustriert von Marie Parakenings, präsentieren wir für das nächste Jahr eine Kalenderneuheit.

Zu guter Letzt bleibt uns nur noch, Ihnen eine schöne Adventszeit zu wünschen. Haben Sie trotz der Umstände schöne, erholsame Feiertage, kommen Sie gut in das neue Jahr und bleiben Sie vor allen Dingen gesund.

Herzliche Grüße
Ihr Wolfram Burckhardt
und das Team des Kulturverlags Kadmos Berlin