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Brian Rotman

Die Null und das Nichts

Eine Semiotik des Nullpunkts

In der Mathematik lernt man schnell, dass es verboten ist, durch die Null zu dividieren. Aber warum? Die Griechen kannten weder die Null noch das Nichts, sondern die Materie, der die Götter ihre Form gaben. Die Juden hingegen kannten das Nichts, aus dem Gott die Welt schuf und kannten im Buch des Lebens, der Kabbala, auch eine Stelle für das Nichts. Ein Christentum, das sich sowohl auf die griechische wie auf die hebräische Kultur bezog, musste diesem Nichts innerhalb der Schöpfung eine Stelle außerhalb der Schöpfung einräumen. Augustin findet für diese Stelle einen Namen: den des Teufels, und gibt ihr einen eschatologischen Sinn.
Die Null und das Nichts – hier beginnt die Geschichte einer verrufenen Zahl und zugleich eine Geschichte des Abwesenden. Mit der Null wird erstmals ein Zeichen verfügbar, das einerseits Zeichen wie alle anderen ist, aber einen Sonderstatus dadurch gewinnt, dass es die Abwesenheit von Zeichen bezeichnet.
Der Mathematiker Brian Rotman veranschaulicht, wie das janusköpfige Konzept der Null in drei ganz unterschiedlichen, scheinbar nicht zusammengehörigen Bereichen Einzug in das abendländische Bewusstsein findet. In der Mathematik handelt es sich um die Zahl Null, in der Malerei um den Fluchtpunkt der Perspektive und im Geldwesen um das referenzlose »imaginäre« Papiergeld. Nicht zuletzt waren, so Rotman, es wohl erst die Vorteile der Null im Stellenwertsystem der Zahlen und das Nullsaldo in der doppelten Buchführung, welche die Null unverzichtbar machte. Rotman geht dieser Geschichte nach und erzählt die Geschichte einer verrufenen Zahl, eine Geschichte, die uns – ausgehend vom Mittelalter – in unsere Gegenwart hineinführt, die zwischen der Null und der Eins oszilliert.

Mit einem Beitrag von Dirk Baecker.

Die Null und das Nichts
unveränderter Nachdruck 2008

Juni 2000
176 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert,
22 Abbildungen
ISBN 978-3-931659-17-2
  • Info

    Brian Rotman

    Prof. Dr. Brian Rotman, Professor am Department of Comparative Studies der Ohio State University (seit 1998). 1964 bis 1984 Dozent für Reine Mathematik an der School of Mathematics and Computer Science an der University of Bristol, 1967 Promotion in Mathematik mit einer Arbeit über »Some Theorems on the Comparison of Order Types« an der University of London. Arbeitsschwerpunkt: Transdisziplinäre kulturwissenschaftliche Studien der Mathematik(geschichte), in deren Zentrum eine Geschichte der »material culture« der mathematischen Zeichen steht.