Birgit Griesecke, Hannes Haberl, Uta Kornmeier, Simon Strick, Sigrid Weigel

Schädel Basis Wissen I

Kultur und Geschichte der chirurgischen Korrektur der Schädelform

Die Schädelform führt im medizinischen Diskurs, sofern sie nicht bloß als Schablone für das Hirn benutzt wird, ein Schattendasein. Sehr zum Schaden der Kinder, an deren Kopf formgebende chirurgische Eingriffe vorgenommen werden können, wenn ihre Schädelnähte bei der Geburt geschlossen sind und Verformungen verursacht haben – und zum Schaden ihrer Eltern, die vor einer verantwortungsvollen Entscheidung stehen. Denn noch heute überschatten die Rassenkunde des 19. Jahrhunderts und die nationalsozialistische Ideologie eine fundierte Erörterung der chirurgischen, psycho-sozialen und kulturellen Fragen eines solchen Eingriffs. Das Buch untersucht diese vielfältigen Aspekte – auch in ihrem Zusammenspiel. Vom Operationssaal ausgehend werden Krankheitsbild und Operationstechnik beschrieben, die Randstellung des Eingriffs innerhalb der plastischen Chirurgie und die Kontroverse über eine Indikation zur chirurgischen Korrektur beleuchtet. Das Dilemma von Ärzten und Eltern wird vor dem Horizont des gesellschaftlichen Umgangs mit angeborenen Fehlbildungen untersucht, ebenso wie der Streit um die Therapie. Dabei geht es um die Rolle der Kopfform zwischen Stigma und Schönheitsmaßstäben und um den Umgang mit Norm und Abweichung in Sozialen Medien, in Literatur und Forschung. In der Erforschung dieser Zusammenhänge werden blinde Flecken im Wissen identifiziert, insbesondere im Blick auf die psycho-soziale Situation der Betroffenen. Das Buch zeigt aber auch Perspektiven auf: Ideen zu einer anderen Klinik und die Auswertung einer Unterrichtseinheit über den Roman Wunder als Schritte auf dem Weg zu einem freien und sensiblen Umgang mit »auffälligen Köpfen«.

Schädel Basis Wissen I
Mai 2018
288 Seiten, 17 x 24 cm, broschiert (mit Fadenheftung),
88 Abbildungen (zahlreiche farbig)
ISBN 978-3-86599-361-8
  • Info

    Birgit Griesecke

    Dr. Birgit Griesecke, ausgebildet in Japanologie, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte, arbeitet mit den Schwerpunkten Wissenschaftsforschung, Sprachphilosophie und Philosophie Wittgensteins am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. Verschiedene Aufenthalte als Gastwissenschaftlerin u.a. in London und Cambridge (The Wellcome Institute) und in Wien (IFK), am MPIWG, Berlin. Lehrtätigkeiten in den Bereichen Japanologie (Freie Universität Berlin), Kulturwissenschaften (Humboldt-Universität Berlin) und Philosophie (Technische Universität Berlin).

    • Birgit Griesecke, Werner Kogge  

      Fremde Wissenschaft?

      Drei Studien zum Einsatz konzeptueller Forschung im Verhältnis von Wissenschaft und Kultur

      broschiert, 200 Seiten
      19,90 EUR
  • Info

    Hannes Haberl

    Neurochirurg, 2011–2014 externe Leitung des ZfL-Projekts SchädelBasisWissen. Kulturelle Implikationen der plastischen Chirurgie des Schädels (Charité Berlin)seit 2016 Leiter Pädiatrische Neurochirurgie, Universitätsklinikum Bonn

  • Info

    Uta Kornmeier

    Seit Aug. 2016: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZfL und Leiterin des DFG-Forschungsprojektes "Intime Bilder. Die Geschichte kunsthistorischer Radiologie".

    Promotion in Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin

    Master of Arts in Museum Studies, Courtauld Institute of Art, University of London

    Studium der Kunstgeschichte, Neueren und Älteren Deutschen Literaturwissenschaft in Kiel, Köln und London

    • Uta Kornmeier (Hg.)  

      Schädel Basis Wissen II

      Texte zur Wissensgeschichte eines Knochens

      broschiert (mit Fadenheftung), 398 Seiten
  • Info

    Simon Strick

    Amerikanist, 2012–2014 Mitarbeiter im ZfL-Projekt SchädelBasisWissen. Kulturelle Implikationen der plastischen Chirurgie des Schädels

    seit Herbst 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Graduiertenkolleg Automatismen der Universität Paderborn

    seit Juni 2016 Postdoc an der Graduate School for North American Studies (GSNAS), JFK-Institut, Freie Universität Berlin, Abteilung Kultur

     

  • Info

    Sigrid Weigel

    Prof. Dr. Dr. hc. Sigrid Weigel, 1950 in Hamburg geboren, ist seit 1999 Direktorin des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung; Vorstandsvorsitzende der Geisteswissenschaftlichen Zentren Berlin; Professorin am Institut für Literaturwissenschaft der Technischen Universität Berlin.

    • Zaal Andronikashvili (Hg.), Sigrid Weigel (Hg.)  

      Grundordnungen

      Geographie. Religion. Gesetz

      broschiert, 284 Seiten
      24,90 EUR
    • Sigrid Weigel (Hg.)  

      Heine und Freud

      Die Enden der Literatur und die Anfänge der Kulturwissenschaft

      gebunden, 358 Seiten
      29,80 EUR

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