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Eckart Goebel

Charis und Charisma

Gewalt und Grazie von Winckelmann bis Heidegger

Existentielle Erfahrungen werden in der Moderne mit Vorzug als Verlust des Gleichgewichts bebildert, auf den der Absturz ins Bodenlose folgt. Als inständig umworbene Gegenentwürfe treten feine Figuren der Balance in den Blick, die ihr Ideal von ›Schönheit (in) der Bewegung‹ – Grazie – im Jongleur, Fechter, Tänzer, Akrobaten und im ›Artisten‹ finden. Vor allem der in tödlicher Höhe arbeitende Seiltänzer rückt zum Emblem ungesicherter Existenz und dann des Künstlers auf. In diesem Buch – gewidmet der Vor- und Nachgeschichte der Seiltänzer-Szene in Nietzsches Zarathustra – wird die Grazie der Moderne in ihrer Verschränkung mit Macht und Gewalt verhandelt. Die von der Würde zunehmend entkoppelte Grazie des Klassizismus zerfällt in Charis, die erotisch zweideutige Anmut, und Charisma, das den neuen Gott verkündende Propheten- und Herrschertum. Dabei lässt sich eine Affinität studieren: die Macht der Anmut auf der einen, die Grazie, der Charme des Charismatikers auf der anderen Seite.

»Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch, – ein Seil über einem Abgrunde.« Friedrich Nietzsche

Charis und Charisma
LiteraturForschung Bd. 1
Januar 2006
192 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert
ISBN 978-3-931659-85-1
  • Info

    Eckart Goebel

    Prof. Dr. Eckart Goebel, Jg. 1966, Promotion (1995) und Habilitation (2001) am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin, ist nach mehrjähriger Tätigkeit am Berliner Zentrum für Literaturforschung seit 2005 Professor am Department of German der New York University.