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Sabine Beck

Decadent

Über das Erscheinen

Erst jenseits eines phänomenologischen Essentialismus kehren sich die (platonischen) Vorzeichen der Dekadenz, des Ab-falls um: vom Verfall zum Reichtum der Erscheinungen, von einer Abnahme der Lebenskraft zu einem – wie schon Nietzsche hellsichtig eingestehen muss – »Wachstum an Leben«, und gerade das, was als ›Abfall‹ in des Wortes konkretischem Wegfall-Sinn firmiert, avanciert zum Träger unerwarteter Epiphanien. Vom »schäbigen«, wiewohl einspruchsmächtigen »Rest« (I) über die ausdrücklich »kleinen Helden« (IV) der nichtsdestotrotz großen Abenteuer auf Leben und Tod bis hin zu dem, was »en désuétude« ist (V), zwar funktionslos aber der tödlichen Entmischung entkommen, und so sein Schicksal teilt mit Reflexion, spannt sich der Bogen der Untersuchung.
Die Autorin hat es verstanden, diese Spannung in einem synästhetisch-epiphanischen Gewebe zu verdichten, das sie ebenso mimetisch wie analytisch zum Reden bringt (demonstrativ in ihren Bildmontagen im Materialienband oder in Textcollagen wie der ungewöhnlich hallenden, so als wäre sie in einen leeren Raum gesprochen, ihrer »Hamlet-Synopse« oder in der Nachzeichnung der Lichtqualitäten, vom Aufklärungslicht bis zum Gespensterlicht getanzter Selbstreflexion, im Tanzexkurs »subsTanz«) und dem sie, trotz und dank der vielen von ihr ausprobierten Facetten, eine singularische Qualität abgewinnt: die des Aufbruchs in die europäische Kunst-Moderne.
(Klaus Heinrich)

Die Bildanalysen sind mit äußerster Feinheit, kenntnisreich und in einer so gewandten, imaginativen Sprache ausgeführt, dass man passioniert an der Sache – Beinstellung, Spitze des Degens, Umhang, Halskrause, Apelles-Linie – und ihren Kommentaren Anteil nimmt. (Hella Tiedemann)

Decadent
Kaleidogramme Bd. 21
März 2012
290 Seiten, 17 x 24 cm, gebunden (in 2 Bänden),
52 Abbildungen (zahlreiche farbige Abbildungen)
ISBN 978-3-931659-93-6
  • Info

    Sabine Beck

    Sabine Beck, geb. 1956, studierte moderne und klassische Philologie, Literaturwissenschaft, Religionswissenschaft und Theologie in Berlin und Paris; Lehrtätigkeit an der FU Berlin und der Università degli Studi, Bari; Mitarbeit bei der Durchführung von Theater- und Operngastspielen (Berliner Festspiele);  dramaturgische Mitwirkung an Tanz/Theater-Inszenierungen in Florenz, Bari, Neapel, Berlin.