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Boris Buden

Der Schacht von Babel

Ist Kultur übersetzbar?

Das Übersetzen war immer mehr als nur eine literarische Praxis. In den romantischen Theorien galt Sprache als Ausdruck einer Nationalkultur; die Übersetzung zog daher die genaue Grenze zwischen der eigenen und der fremden Identität und sollte zur Bildung der Nation beitragen. In den Theorien des 20. Jahrhunderts, aber auch durch die Psychoanalyse, wurden Prozesse der Übersetzung gegenüber diesem »Originalkomplex« aufgewertet. Heutige Kulturtheorien haben den Fokus erneut verschoben: von der Abgrenzung auf den Austausch, vom Konflikt auf die Kommunikation zwischen den Kulturen. Mit der Metapher »kulturelle Übersetzung« werden jetzt Theorien der sprachlichen Übersetzung auf kulturelle und politische Prozesse umgemünzt und zum Medium nationaler, europäischer oder globaler Identitätsbildung erklärt. Boris Buden verfolgt diesen Wandel mit kritischem Blick: Die politische Vereinnahmung des kulturellen Austauschs erzeugt einen Schacht von Babel – und eben kein Fundament, das die Vielfalt der Sprachen und Kulturen auflösen könnte.

Der Schacht von Babel
Oktober 2004
224 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert
ISBN 978-3-931659-72-1
  • Info

    Boris Buden

    Dr. Boris Buden, geboren 1958 in Kroatien, studierte Klassische und Moderne Philosophie in Klagenfurt, Zagreb und Ljubljana und promovierte in Kulturwissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin. Seit 1984 arbeitet er als freier Journalist, Übersetzer und Publizist. Buden veröffentlicht regelmäßig auf Deutsch, Englisch und Französisch philosophische, politische und kulturkritische Essays über das ehemalige Jugoslawien, Westeuropa und die Vereinigten Staaten, so u. a. in der »Zeitschrift für Psychoanalyse und Gesellschaftskritik«, in »Literatur und Kritik« sowie im Wiener Kulturmagazin »Die Springerin«. 1990 zog Buden nach Wien und nahm die österreichische Staatsbürgerschaft an. Neben seiner publizistischen Tätigkeit hat sich Buden auch als Übersetzer von Sigmund Freuds Schriften ins Kroatische einen Namen gemacht. Als Aktivist der jugoslawischen Friedensbewegung rief er 1993 die Zeitschrift »arkzin« ins Leben, ein kulturpolitisches und gesellschaftskritisches Publikationsorgan, das der internationalen Literatur, Kunst, Popkultur und den neuen Medien gewidmet ist. Zudem ist er Gründer und Chefredakteur des Bastard Verlags. 1998 erschien dort die erste kroatische Wiederauflage des »Manifest der kommunistischen Partei« mit einem Vorwort des slowenischen Philosophen Slavoj Žižek. Budens politischer Aktivismus hat sich in eigenen Essaybänden niedergeschlagen, die unter dem Titel »Barricades I« und »Barricades II« erschienen sind. Zentral für Budens Schriften ist der Gedanke eines kulturpolitisch gespaltenen Europas: Das postkommunistische Osteuropa wird als Außenseiter und »Bastard« der Europäischen Union betrachtet. In diesem Ausgeschlossensein liegt jedoch nach Buden die Chance, den Universalanspruch der westeuropäischen Kultur neu zu definieren, denn: »Das Universale rekonfiguriert sich gerade nicht entlang der Scheidelinie, die zwischen kulturellen Identitäten gezogenen wird, ebenso wenig auf den Bollwerken des Multikulturalismus, welcher die bestehenden Verhältnisse nur einfriert; es artikuliert sich selbst auf den Barrikaden, auf denen es, nach allem, was passiert ist, in einem politischen und historischen Sinne geboren wurde.« Seit 2003 lebt er in Berlin. Gegenwärtig Veröffentlichungen und Vortragstätigkeit in deutscher und englischer Sprache im Bereich der Philosophie, Kulturwissenschaft, Gesellschaftskritik und Gegenwartskunst. Teilnahme an der Documenta 11 in New Delhi (Platform 2, »Truth and Reconciliation«) und Kassel. Zuletzt veröffentlicht: Zone des Übergangs: Vom Ende des Postkommunismus, bei Suhrkamp. Buden ist Mitarbeiter des EIPCP (Europäisches Institut für progressive Kulturpolitik) in Wien.