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Alexander Kluge, Rainer Stollmann

Die Entstehung des Schönheitssinns aus dem Eis

Gespräche über Geschichten mit Alexander Kluge

In der Eiszeit wäre die Menschheit fast erfroren. Alle, die heute leben, stammen von wenigen Tausend Individuen ab. »In die Erinnerung eingebrannte Einbildungskraft«, ein durch Kälte geschärftes Urteilsvermögen (nach dem großen Architekten B. Taut) ist die Quelle dessen, was in weniger schweren Zeiten für »Schönheitssinn« gehalten wird. Dies gehört ebenso zu unserem materiellen evolutionären Erbe wie Eigenschaften, die sichtbar sind (Hand, aufrechter Gang).

Die Entstehung des Schönheitssinns aus dem Eis
Januar 2005
154 Seiten, 12 x 19 cm, gebunden,
6 Abbildungen
ISBN 978-3-931659-70-7
  • Info

    Alexander Kluge

    Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, promovierte 1956 über die »Universitäts-Selbstverwaltung« zum Dr. jur., einem Thema, das bald darauf politisch brisant wurde. Er wurde juristischer Berater des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und sehr bald Vertrauter von T.W. Adorno. Anfang der 60er Jahre wurde K. gleichzeitig als Schriftsteller und Filmemacher bekannt: 1962 liest er bei der Gruppe 47 aus dem Band »Lebensläufe« und veröffentlicht zusammen mit 25 jungen Filmern das »Oberhausener Manifest«, 1966 erhält er als erster Deutscher nach dem Krieg den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig für »Abschied von Gestern« mit Alexandra Kluge in der Hauptrolle. Damit öffnet sich in Europa eine Tür für den »Neuen Deutschen Film«, als dessen spiritus rector man Kluge bezeichnen darf, insofern er seine ganze Kraft einsetzt, diese Individualisten des Kinos zusammenzuhalten und institutionelle, finanzielle Absicherungen für einen deutschen Autorenfilm herzustellen (Gründung des »Ulmer Instituts für Filmgestaltung« 1962, »Rahmenabkommen Film / Fernsehen« 1974). Es geht, wie Kluge als Kritischer Theoretiker weiß, niemals nur um das Gelingen einzelner Werke, sondern nötig ist die Herstellung einer authentischen Öffentlichkeit, einer stabilen Verbindung mit dem Publikum, und das können einzelne nicht alleine. Bis Mitte der achtziger Jahre veröffentlicht Kluge 14 abendfüllende Spielfilme (die immer auch dokumentarisches Material enthalten), schreibt vier Bände Geschichten und setzt zusammen mit Oskar Negt die Kritische Theorie philosophisch-soziologisch fort. Nach der Aufkündigung der Filmförderung durch die konservative Regierung führt Kluge das Konzept der Politik der Autoren ab 1988 in sog. Kulturfenstern im Privatfernsehen fort (RTL, SAT 1, VOX sowie dem Schweizer Fernsehen). In knapp 20 Jahren entstehen ca. 1500 Stunden Sendezeit aus Gesprächen mit Künstlern, Wissenschaftlern, Musikern, Filmern, Schriftstellern, Politikern, aber auch mit neuen TV-Formaten wie Musikmagazinen, Bildern ohne Worte oder der bekannten Reihe »Facts & Fakes«. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts meldet er sich auch wieder als literarischer Autor mit mehreren umfangreichen Erzählungsbänden zurück (Bremer Literaturpreis zum zweiten Mal 2001, Büchner Preis 2003). Wenn Kluge sich literarisch, in Bildern und wissenschaftlich in Begriffen äußert, so handelt es sich weder um verschiedene Themen, schon gar nicht um verschiedene Ziele, sondern um unterschiedliche Ausdrucksformen ein- und derselben Sache: der authentischen Vermittlung von Erfahrungen in einer gesellschaftlichen Wirklichkeit, in der starke Kräfte auf Verschüttung und Entwertung von Erfahrung gerichtet sind. http://www.kluge-alexander.de/zur-person.html

  • Info

    Rainer Stollmann

    Dr. Rainer Stollmann, geb. 1947; Studium (Germanistik und Geschichte) an der Ruhr-Universität Bochum und an der Philipps-Universität Marburg; 1980-2012 Lehre an der Universität Bremen, später auch Direktor des Dickinson Junior Year Programms in Bremen und  Studiendekan des Fachbereichs Kulturwissenschaften an der Universität Bremen. Forschungsgebiete: Literatur und Kulturtheorie des 20. Jahrhunderts; Lachen und Lachkulturen.

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