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Nina Diezemann

Die Kunst des Hungerns

Essstörungen in Literatur und Medizin um 1900

Dieses Buch handelt davon, wie Nahrungsverzicht in literarischen und medizinischen Texten im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert wahrgenommen wurde. Es eröffnet so Einblicke in eine Zeit, in der unser modernes, von der Medizin geprägtes Verständnis von Ernährung entstanden ist. Untersucht werden der Zusammenhang zwischen Nervenkrankheit und Ernährung – heute noch präsent in dem Wort »Nervennahrung« – und die Beschreibung radikalen Hungerns von Mädchen und Frauen als ›anorexia nervosa‹. Es geht um Nahrungsabstinenz von Männern im Rahmen eines kontrollierten Experiments bei Versuchen mit »Hungerkünstlern« in Mailand und Berlin und als Selbsterfahrung von Schriftstellern. Quellen dieser Studie sind neben literarischen Texten wie Erzählungen und autobiographischen Schriften von Franz Kafka und Robert Walser, Romane von Theodor Fontane und Knut Hamsun, Hedwig Dohm und Gabriele Reuter auch medizinische Fallgeschichten sowie wissenschaftliche Monographien. Im Sinne einer Poetik der Kultur wird so für die Literatur ein neuer Kontext entfaltet. Gleichzeitig kommen die kulturellen Entstehungsbedingungen medizinischen Wissens in den Blick.

Die Kunst des Hungerns
Kaleidogramme Bd. 6
Januar 2007
224 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert
ISBN 978-3-86599-005-1
  • Info

    Nina Diezemann

    Dr. Nina Diezemann, Jahrgang 1973, studierte Germanistik und Geschichte, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und promovierte 2006. Sie arbeitete als Redakteurin für die euro|topics-Presseschau und das Kulturmagazin »Perlentaucher« sowie als freie Autorin für Radio und Printmedien mit dem Schwerpunkt Bildung und Wissenschaft. Momentan ist sie zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftstransfer beim Cluster »Languages of Emotion« an der FU Berlin. Nina Diezemann lebt mit ihrer Familie in Berlin.

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