19,90 EUR
Carolin Meister (Hg.), Laurence A. Rickels (Hg.)

Ghostarbeiter

Über technische und okkulte Medien

Mit Beiträgen von Carolin Meister, Rainer Metzger, Eva Meyer, Laurence Rickels, Inge Stephan, Klaus Theweleit und Beat Wyss.

Ghostarbeit ist Arbeit an den Geistern. Theoretisch wie genealogisch weist Ghostarbeit auf die wechselseitigen Beziehungen zwischen technischen und okkulten Medien. So inszenierte der moderne Spiritismus in Séancen mit okkulten Medien oder Geistersehern technische Medialität gleich mit. Besonders die neue Möglichkeit der Liveübertragung war der Kommunikation mit Geistern wahlverwandt. Die Frage, ob die okkulte Medialität von den neuen Medien überholt worden sei, durchzieht die spiritistische Literatur dieser Zeit. Warum sich weiter exklusiv auf okkulte Medien stützen, wenn das Telefon eine direkte Verbindung verspricht?
Dass die Reichweite der gespenstischen Heimsuchung auf der Wellenlänge des technisch-medialen Fortschritts schwingt, zeigte Friedrich Kittler in seiner Genealogie der Medien: »Das Totenreich ist eben so groß wie die Speicher- und Sendemöglichkeiten einer Kultur. Medien, wird bei Klaus Theweleit zu lesen sein, sind immer auch Flugapparate ins Jenseits.«
Theweleits Verständnis von Medialität im technischen wie okkulten Sinne ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes. Aus Anlass seines 70. Geburtstags versammelt Ghostarbeiter Beiträge, die aus unterschiedlichen Perspektiven zentrale Inhalte von Theweleits Werkes umkreisen – und dabei nicht zuletzt einem Gedanken Rechnung tragen, der schon auf Hegel zurückgeht: nämlich dass jede Kulturarbeit und Geisteswissenschaft einen Ghost als Gast beherbergt.

Ghostarbeiter
Kaleidogramme Bd. 118
Februar 2015
188 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert,
49 Abbildungen (zahlreiche farbig)
ISBN 978-3-86599-242-0
  • Info

    Carolin Meister

    Prof. Dr. Carolin Meister, geboren 1969, lebt und arbeitet in Karlsruhe. Studium der Kunstgeschichte, Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Romanistik und Philosophie in Berlin und Paris. 2001-2003 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstwissenschaft und Ästhetik an der Universität der Künste Berlin sowie 2002-2003 am Forschungsprojekt Archive der Vergangenheit an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2003 Promotion am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin. 2003 bis 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sonderforschungsbereich Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste an der Freien Universität Berlin. Seit 2009 Professorin für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.

  • Info

    Laurence A. Rickels

    Prof. Dr. Laurence A. Rickels, geboren 1954, lebt und arbeitet in Karlsruhe. Studium der Anglistik, Germanistik, Komparatistik, und Philosophie an der University of Pennsylvania, Freien Universität Berlin, und Princeton University (Magister Artium 1978). Promotion in German Literature 1980 an der Princeton University mit einer Arbeit »The Iconic Imagination: Pictorial Signs in Lessing, Keller, and Kafka«. 1981-2011 Professor für Deutsche Literatur und Komparatistik und außerordentlicher Professor für Kunst und Film an der University of California, Santa Barbara. Seit 2005 Sigmund Freud Professor für Medientheorie und Philosophie an der European Graduate School (EGS). Gastprofessor an Art Center College of Design, Universität zu Köln, New York University, Otis College of Art and Design, Umëa Universitat. Seit April 2011 Professor für Kunst und Theorie, Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.