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Florian Sprenger

Medien des Immediaten

Elektrizität – Telegraphie – McLuhan


An einem Sommertag des Jahres 1729 hängt ein mehrere Meter langes Stück Kupferdraht in einem Garten im Süden Englands. Als der Physiker Stephen Gray dessen eines Ende mit einem geriebenen Glaszylinder berührt, beginnen am anderen Ende kleine Blattgoldstücke zu tanzen – wie es scheint, ohne zeitlichen Aufschub: unmittelbar. Mit Grays Experimenten und der Aufladung der Elektrizität als instantan setzt eine Geschichte ein, die heute, angesichts von ›ubiquitous computing‹, Dauerzuständen mobiler Erreichbarkeit und den verbreiteten kulturwissenschaftlichen Debatten um Unmittelbarkeit einer Genealogie harrt. Anhand der Geschichte der Elektrizitätsforschung, die eine Erforschung des Kabels ist und die mit der elektromagnetischen Telegraphie als Medium implementiert wird, greifen Phantasmen der Unmittelbarkeit um sich, die Trennungen aufheben und zugunsten von Instantanität oder Präsenz tilgen. Dabei werden Medienbegriffe geprägt, deren Schicksal in der medientheoretischen Aufarbeitung durch Marshall McLuhan liegt. Mit seiner Blickwendung, die an Medien nicht mehr die Inhalte fokussiert, sondern den impact des Mediums, möchte er vor allem die ›all-at-once-ness‹ der instantanen Elektrizität erklären. Dafür nutzt er ›tools‹, die Unmittelbarkeiten anbieten, obwohl sie Medien erklären sollen. So wird nicht nur McLuhans Katholizismus als ›framework‹ seines Denkens erklärbar, sondern eine grundsätzliche Aporie in McLuhans Werk extrahiert: dass er Medien als unmittelbar beschreibt und damit das Potential seines eigenen Blickwechsels verdeckt – eine Bewegung, die noch aktuelle Medientheorien in Bedrängnis bringt.

Medien des Immediaten
Kaleidogramme Bd. 87
Januar 2012
514 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert
ISBN 978-3-86599-169-0
  • Info

    Florian Sprenger

    Dr. Florian Sprenger hat Medienwissenschaft und Philosophie studiert und war anschließend Kollegiat am Graduiertenkolleg Sinne – Technik – Inszenierung und am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaft in Wien. Nach seiner Promotion war er Gastkollegiat am Graduiertenkolleg Mediale Historiographien in Weimar, visiting scholar an der Stanford University und PostDoc am Graduate Centre for the Studies of Culture der Universität Gießen. Derzeit ist er PostDoc am Digital Cultures Research Lab in Lüneburg.

    • Daniel Gethmann, Florian Sprenger  

      Die Enden des Kabels

      Kleine Mediengeschichte der Übertragung

      leinengebunden, 144 Seiten
      16,90 EUR