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Helmut Höge

WPP

Wölfe – Partisanen – Prostituierte

Schon seit langem wollte ich eine Geschichte schreiben – oder vielmehr eine Reihe von Geschichten zusammenfassen – unter dem Titel »WPP«: Wölfe, Partisanen und Prostituierte. Die drei haben viel gemeinsam.
Nicht nur standen oder stehen sie außerhalb des Gesetzes, sie lösten einander auch quasi ab: So wurden z.B. die einstigen Wolfspfade in den riesigen Wäldern Osteuropas erst von Partisanen benutzt und dann von Schlepperbanden, die vor allem junge Frauen über die Grenzen schmuggelten, damit sie hernach im Westen als Prostituierte arbeiteten. In vielen Ländern, vor allem in Afrika, waren die Bordelle zudem Hauptstützpunkte der »Rebellen«. Die alten Partisanen und die neuen Prostituierten haben darüber hinaus noch dies gemeinsam, dass sie stets unter falschen Namen agieren – und zwar vorwiegend nachts. Letzteres gilt auch für die Wölfe, die nun – wenigstens hierzulande – ganzjährig geschont sind. Was dem übersinnlichen New Age der Achtzigerjahre der Delphin, ist in der darwinistischen New Economy seit den Neunzigerjahren der Wolf: eine Art Totemtier oder natürliches Vorbild. Im Gegensatz zum Partisan, der nun kein gefeierter Volksbefreier mehr ist, sondern ein schrecklicher Terrorist. Während die Prostituierten sich umgekehrt plötzlich großer gesetzgeberischer Freundlichkeit ausgesetzt sehen – wobei die Notwendigkeit sich zu prostituieren in der Dienstleistungsgesellschaft überhaupt epidemisch wird. Trotz oder gerade wegen all der Partisanenvernichtungskommandos in den Armeen und Medien vermehren sich die Terroristen ebenso wie die Wölfe und Prostituierten in den deregulierten Volkswirtschaften weltweit – wie blöd.

WPP
März 2007
302 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert
ISBN 978-3-931659-80-6
  • Info

    Helmut Höge

    Helmut Höge, geboren 1947, arbeitete als Übersetzer bei der US Air Force und für einen indischen Zoohändler, der Elefanten in die DDR verkaufte. Er ist namentlich als Redakteur bei der tageszeitung (taz) bekannt, für die er seit deren Anfangszeit schreibt. Zuletzt fiel Höge besonders durch seine Kolumne »Hier spricht der Aushilfshausmeister« auf, die regelmäßig im taz-Blog erscheint. Darüber hinaus schrieb Höge eine Reihe von dokumentarischen Büchern, von denen jedoch viele unter Pseudonymen bzw. unter fiktiven Gruppennamen erschienen.

    • Peter Berz (Hg.), Helmut Höge (Hg.)  

      Anti-Darwin

      Von Lamarck bis Mandelstam

      broschiert, 350 Seiten