19,90 EUR
Johannes Steizinger (Hg.)

Christoph Friedrich Heinle

Lyrik und Prosa

mit einem Geleitwort von Giorgio Agamben

»Fritz Heinle war Dichter«, erklärte Walter Benjamin in seiner »Berliner Chronik« apodiktisch. Benjamins Begeisterung für die Gedichte seines früh verstorbenen Jugendfreundes Christoph Friedrich Heinle (1894–1914), der kurz nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit 20 Jahren Selbstmord beging, rief bei seinen Weggefährten unterschiedliche Reaktionen hervor: Florens Christian Rang erinnerten Heinles Gedichte ebenso wie Benjamin an »Hölderlins letzte«. Beide hielten sie für »Entscheidungen über die deutsche Sprache«. Hugo von Hofmannsthal, in dessen »Neuen Deutschen Beiträgen« Benjamin die Gedichte Heinles nach dessen Tod publizieren wollte, konnte hingegen »die entscheidende Offenbarung des dichterischen Geistes, die im einmaligen herrlichen Wort, nicht erkennen«. Werner Kraft, dem zu verdanken ist, dass Heinles Gestalt nicht vollständig verdunkelt ist, stellte sich die Frage, ob Benjamins »große Urteilskraft vor Gedichten hier versagt hat«. Er ließ die Antwort jedoch offen: »Hatte er recht, wir wissen es nicht.« Denn zu Lebzeiten wurden nur wenige Texte Heinles gedruckt. Benjamins lebenslanges Bemühen, dessen Gedichte postum zu publizieren, blieb vergeblich. Zudem ging der von Benjamin gehütete Nachlass Heinles auf dessen Flucht vor den Nationalsozialisten verloren.

Deshalb ist die Figur Heinle immer noch ein Rätsel, zu dessen Lösung dieser Band beitragen möchte. Er versammelt alle Texte Heinles, die in den Nachlässen seiner Freunde Walter Benjamin, Herbert Blumenthal, Philipp Keller, Ernst Schoen und Ludwig Strauß aufbewahrt wurden. Die gemeinsame Publikation dieses Materials ermöglicht es, sich ein Bild des jungen Dichters Heinle zu machen.

Friedrich Christoph Heinle wurde 1894 in Mayen in der Eifel geboren und starb am 8. August 1914 in Berlin. Er studierte Philologie in Göttingen und in Freiburg im Breisgau, wo er im Sommer 1913 Walter Benjamin kennenlernte. Acht Tage nach Beginn des Ersten Weltkrieges begingen Friedrich Heinle und seine Lebensgefährtin Friederike Seligson Selbstmord.

Christoph Friedrich Heinle
LiteraturForschung Bd. 29
Juni 2016
220 Seiten, 12 x 19 cm, leinengebunden
ISBN 978-3-86599-257-4
  • Info

    Johannes Steizinger

    Dr. Johannes Steizinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Wien.

    • Claude Haas (Hg.), Johannes Steizinger (Hg.), Daniel Weidner (Hg.)  
      broschiert, 291 Seiten
      26,90 EUR
    • Johannes Steizinger  

      Revolte, Eros und Sprache

      Walter Benjamins »Metaphysik der Jugend«

      broschiert, 269 Seiten
      24,90 EUR

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