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Guy Lenôtre

Die stummen Helden der Revolution

»Ich kenne einen Archivwinkel, wo ein Haufen von Papieren ruht, den ohne Zweifel nur wenig Suchende befragt haben. Es sind alle Protokolle, die in den Wahlabteilungen von Paris während der Revolution aufgenommen worden sind. Es gibt dort eine Geschichte der Straße, Tag für Tag, einen wahrheitsgetreuen Tagesbericht des Pariser Lebens, der mir außerordentlich wertvoll zu sein scheint: im ganzen nichts Wichtiges für einen Historiker, aber Material ersten Ranges für einen Chronisten, und schon beim Durchschauen dieser alten Papiere will mir scheinen, daß jedes von ihnen ein Drama darstellt: Da handelt es sich um einen Selbstmord, eine Verhaftung, eine Frau, die ins Wasser gefallen, ein Kind, das auf der Straße verloren gegangen ist, was weiß ich? Und das alles ist in diesem kalten und platten Amtsstil aufgezeichnet, der in seltsamem Gegensatz steht zu den berichteten Vorfällen. Man möchte die Fortsetzungen von all diesen Geschichten kennen. Und hernach? Aus dem Ganzen ergibt sich der Eindruck, daß die Geschichte der Revolution noch zu schreiben ist.«
Diese Tagebuchnotiz des Théodore Gosselin (1855-1935), der nachmals unter dem Pseudonym Guy Lenôtre als Historiker so viel Erfolg und Ruhm in Frankreich erntete, mag man lesen als die Grundlage einer »Geschichte der Straße«, die Lenôtres hermeneutischen Schlüssel darstellt, das Stimmengewirr der französischen Revolution zu entwirren.
Lenôtre führt uns mit seinen faszinierenden Geschichten in die Welt des (nach-)revolutionären Frankreichs und bringt uns die stillen Helden der Revolution nahe, die in keinem Lexikon zu finden sind, ohne die jedoch diese Epoche nicht zu verstehen ist und letztlich leblos bleibt. Wo man andernorts im geschichtsphilosophischen Überflug die Ereignisse der Französischen Revolution kategorisiert, schaut Lenôtre ins Zentrum ihres Schreckens, wertet aber nicht, sondern erzählt von täglichen und nicht ganz alltäglichen Geschichten. In diesem Sinn ist »Die stummen Helden«, wie auch das ebenfalls im Kadmos Verlag veröffentlichte Buch »Die Guillotine«, eine »kleine Erzählung«, ein Buch der Details, der Einzelheiten, nur dass es um so monströser und um so gewaltiger scheint, je mehr man sich darauf einlässt.

Die stummen Helden der Revolution
Januar 2001
198 Seiten, 12 x 19 cm, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-931659-18-9
  • Info

    Guy Lenôtre

    Guy Lenôtre (1855-1935), Historiker und Mitglied der Académie française, hat zahlreiche Werke zur Französischen Revolution verfasst.

    • Guy Lenôtre  

      Die Guillotine

      und die Scharfrichter zur Zeit der französischen Revolution

      gebunden mit Schutzumschlag, 220 Seiten
      19,90 EUR