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Jule Hillgärtner

Krieg darstellen

Kriegsberichterstattung wandelt sich: im komplexen Verhältnis zu Entwicklungen in der Militärtechnik, spezifischen Ausformungen eines jeweiligen Krieges und den Bedingungen, die sich daraus für den Journalismus ergeben. Jeder Krieg sah und sieht anders aus – und das, obwohl doch Darstellungen, die in und zu kriegerischen Kontexten entstehen, durchweg auf dasselbe abzielen: Per detailgetreuer Malerei, fotografischer Augenzeugenschaft oder mittels Live-Video gilt es, dem zeitgenössischen Publikum jene Glaubwürdigkeit zu demonstrieren, welche die Bilder ›echt‹ und den Krieg notwendig erscheinen lässt.
Zwar tritt der »Embedded Journalist« in seiner Funktion erstmals im Irakkrieg 2003 derart explizit vor die Kameras, doch ist das Phänomen eines Vermittlers vom Ort des Geschehens aus, alles andere als neu. Mit ihrer Präsenz am Kriegsschauplatz stehen Berichterstattende schon seit jeher für das ein, was sie abbilden. Doch bedeutet diese jüngste, von zeitlicher, räumlicher und emotionaler Unmittelbarkeit geprägte Ausformung des Kriegsberichts ein Extrem. Ein zunehmend flüchtiger Gestus, wie er von professionellen, in militärische Strukturen eingebundenen Journalisten vorgeführt wird, zeigt sich unterdessen auch in der Berichterstattung jener zahlreichen Amateure, die ihre Kameras allgegenwärtig gebrauchen und dieses Bildmaterial kaum verzögert über das Internet verbreiten. Strikt zwischen professioneller und amateurhafter Darstellung zu unterscheiden ist kaum möglich, zumal deren Stilmittel und Medien dieselben sind. Das ist ebenso charakteristisch wie verhängnisvoll für die Handhabung von Fotografie und Video und bedingt im gleichen Augenblick die Crux und die Chance einer eingebetteten Berichterstattung.

Krieg darstellen
Kaleidogramme Bd. 83
November 2013
456 Seiten, 15 x 23 cm, Klappenbroschur,
36 Abbildungen (teilweise farbig)
ISBN 978-3-86599-159-1
  • Info

    Jule Hillgärtner

    Dr. Jule Hillgärtner, geb. 1978, ist Medienwissenschaftlerin und feie Kuratorin. Sie studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaftlerin sowie  Kunstpädagogik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Als Stipendiatin des DFG-Graduierten Kollegs »Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung an der Goethe-Universität Frankfurt promovierte sie 2010 mit »Krieg darstellen«. Seit 2001 arbeitete sie am Museum für Moderne Kunst Frankfurt in der Öffentlichkeitsarbeit und Kunstvermittlung und war als freie Kuratorin und Koordinatorin für zeitgenössische Kunst auch an der Städelschule und dem Frankfurter Kunstverein tätig. Ein Lehrauftrag für Fototheorie führte Hillgärtner 2009 an die Hochschule für Gestaltung nach Offenbach. Zu ihren kuratorischen und Ausstellungsprojekten zählen »F/Stop – Festival für Fotografie in Leipzig« (2010), »Frankfurter Positionen« (2011), »lens-based sculpture« an der Akademie der Künste in Berlin (2013/14) und »RAY Fotografieprojekte« in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet (2012/2015). Zudem war sie an der Redaktion von »Album, Magazin für Fotografie« beteiligt. Seit November 2014 ist sie Leiterin des Kunstvereins Braunschweig.