22,50 EUR
Stefanie Diekmann (Hg.), Thomas Khurana (Hg.)

Latenz

40 Annäherungen an einen Begriff

»Latenz« bezeichnet als spezifischer Modus des Verborgenseins und der Wirksamkeit aus dem Verborgenen eine ebenso alte wie virulente Figur. Cicero definiert die schicksalhafte Macht der fortuna durch die »Latenz« ihrer Ursachen. In der Erläuterung natürlicher Vorgänge rekurriert Francis Bacon auf »latente« Mechanismen und Prozesse. Die moderne Physiologie misst »Latenzzeiten«, der Behaviorismus postuliert »latentes Lernen«. Die Statistik erfindet »latente Klassen«, die Soziologie »latente Funktionen«. Die Psychoanalyse interpretiert »latente Inhalte«; die Fotografie entwickelt »latente Bilder«, und die Theorie zeichenhafter Bedeutung weiß den manifesten Sinn auf »latente Bedeutungen« und »latente Tiefenstrukturen« sprachlichen Sinns zurückbezogen.
Ein Begriff von so komplexer Artikulation bedarf einer ebenso differenzierten wie pointierten Annäherung. Eben diese vollzieht dieser Band in 40 Beiträgen, in denen das Konzept der Latenz ausgehend von einzelnen Begriffen, konkreten Konstellationen und spezifischen Materialien entwickelt wird. Die Annäherungen, die von Literaturwissenschaftlern und Philosophen, von Theaterwissenschaftlern und Soziologen, von Kunsthistorikern und Wissenschaftshistorikern geschrieben wurden, und deren Spektrum von »Analogie« bis »Werden«, von »Gespenst« bis »Gleichnis«, von »Fotografie« bis »Echo«, von »Nachwirkung« bis »Fieber« reicht, erproben die Fähigkeit des Latenzbegriffs, zu dem zu werden, was er – latent – womöglich schon längst ist: zu einem Grundbegriff der Kulturwissenschaften.

Latenz
Kaleidogramme Bd. 24
Juli 2007
244 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert
ISBN 978-3-86599-039-6
  • Info

    Stefanie Diekmann

    Prof. Dr. Stefanie Diekmann, Medien- und Theaterwissenschaftlerin. Seit 2012 Professorin für Medienkulturwissenschaft an der Universität Hildesheim, zuvor Professorin für Medien und Theater an der LMU München. Interessenschwerpunkte: Intermediale Konstellationen – Kino und Theater, Film und Fotografie, Bild und Text, Comics. Aktuelle Publikationen u.a. »Die andere Szene – Theaterproben und Theaterarbeit im Dokumentarfilm« (Hg., Berlin 2013) sowie »Six Feet Under« (Berlin 2013); journalistische Arbeit u.a. für Texte zur Kunst, Cargo sowie Der Freitag.

    • Stefanie Diekmann  

      Backstage

      Konstellationen von Theater und Kino

      broschiert, 254 Seiten
      24,90 EUR
    • Stefanie Diekmann (Hg.)  

      Schreiben über Film

      Hommage an Karsten Witte

      broschiert, 192 Seiten
      19,90 EUR
  • Info

    Thomas Khurana

    Dr. phil. Thomas Khurana (Dipl. Psych.), Studium der Philosophie, Soziologie, Literaturwissenschaft und Psychologie in Bielefeld und Berlin; Promotion (»Sinn und Gedächtnis«) zur Zeitlichkeit sinnhafter Praktiken und zu Figuren ihrer Reflexion an der Universität Potsdam (01/2006). Thomas Khurana war Kollegiat im DFG-Graduiertenkolleg »Repräsentation – Rhetorik – Wissen«, wissenschaftlicher Koordinator des DFG-Graduiertenkollegs »Lebensformen + Lebenswissen« (2005-2006), wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Potsdam (2007-2009) und Theodor Heuss Lecturer an der New School for Social Research (2009). Seit dem Sommersemester 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Praktische Philosophie am Institut für Philosophie der Goethe-Universität Frankfurt a.M. und im Exzellenzcluster »Die Herausbildung normativer Ordnungen«. Von September 2010 bis August 2011 war Thomas Khurana Feodor Lynen-Forschungsstipendiat am Committee on Social Thought und am Department of Philosophy der University of Chicago. Im akademischen Jahr 2014/15 vertritt Thomas Khurana die Professur für Geschichte der Philosophie an der Universität Leipzig.