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Jochen Bonz

Subjekte des Tracks

Ethnografie einer postmodernen/anderen Subkultur

In den neunziger Jahren hat sich rund um Popmusikformen wie House Music und Techno eine eigenständige Kultur entwickelt: die Kultur des Tracks. Anders als andere klassische Subkulturen ist diese jedoch keine Gegenkultur; weder geht sie aus der Negation der Werte einer hegemonialen Kultur hervor, noch ist sie auf die Etablierung einer alternativen Objektwelt gerichtet. Ihr Wesen besteht darin, produktiv mit dem fundamentalsten Zug der Gegenwartskultur umzugehen – der prinzipiellen Unverbundenheit des Individuums mit Wissensgegenständen und Werten von kollektiver Gültigkeit.
Während die spätmoderne Gesellschaft diese Kluft zugleich leugnet und von ihren Effekten tief erschüttert ist, gestaltet und nutzt die Kultur des Tracks sie für Bewegungen der Subjektivität zwischen flüchtigen narzisstischen Identifikationen und Sich-Verlieren. Mit dem Mittel der sie kennzeichnenden ungeheuren künstlerischen Kreativität produziert sie darüber hinaus eine spezifische Form verbindlichen Wissens.
Auf den Konzeptionen der strukturalen Psychoanalyse Jacques Lacans’ aufbauend, gelingt dem Autor in einer vielschichtigen und lebendig ausgeführten Darstellung der Tiefenstrukturen dieser Kultur auch der Beleg des hohen Erklärungswerts eines kulturgeschichtlich reflektierten ethnologischen Kulturbegriffs.
Konkrete Untersuchungsgegenstände bilden u.a. die Figur Christian Krachts in »Tristesse Royale«, Interviews mit Hans Nieswandt über SPEX und Whirlpool Productions, Beobachtungen an der Praxis des Heidelberger Musikers David Moufang, die Musik Larry Heards, David Toops Begriff von Ambient und der Stil der Musikbesprechungen in der Zeitschrift De:Bug.

Subjekte des Tracks
Kaleidogramme Bd. 39
Mai 2008
166 Seiten, 15 x 23 cm, broschiert
ISBN 978-3-86599-049-5
  • Info

    Jochen Bonz

    Priv.-Doz. Dr. Jochen Bonz, Studium der Kulturwissenschaft und Germanistik an der Universität Bremen, danach freiberufliche journalistische Tätigkeit. 2003 Promotion an der Universität Bremen mit der Studie »Subjekte der Popkultur. Eine Feldforschung in Popkulturszenen«. 2004-2007 Postdoc und Wissenschaftlicher Koordinator des Doktorandenkollegs »Prozessualität in transkulturellen Kontexten: Dynamik und Resistenz«, Universität Bremen. Anschließend freiberufliche Lehrtätigkeit an Universitäten, Musik- und Kunsthochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2010 Vertretung der Professur für Mediensoziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, 2011 Habilitation an der Universität Bremen mit der Studie »Vom ›Text‹ zur ›Atmosphäre‹: Eine kulturtheoretische Studie an der Gegenwart«; venia legendi für Kulturwissenschaft; Privatdozent am Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft der Universität Bremen. 2011 Vertretung einer Assistenzprofessur am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien, seit Januar 2013 Leitung einer ethnopsychoanalytischen Deutungswerkstatt am Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der Karl-Franzens-Universität Graz. Seit Oktober 2013 Assistent am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Mitherausgeber der Reihe »Kulturelle Figurationen: Artefakte, Praktiken, Fiktionen« (Springer VS).