18,50 EUR
Thomas Elsaesser

Terror und Trauma

Zur Gewalt des Vergangenen in der BRD

Die bundesrepublikanische Geschichte ist geprägt von der Aufarbeitung der Kriegserlebnisse und-verbrechen. Wie unterschiedlich diese Aufarbeitung in einigen Schlüsselfilmen der 70er und 80er Jahre geleistet worden ist, zeigt dieses Buch.
Zentral stehen dabei die Fragen der Latenz, der Medienbilder und der Gewalt. Warum kommt uns heute, nach so vielen Jahrzehnten, gerade der Begriff des Traumas so gelegen? Was macht er sichtbar und was verdeckt er? Wie verhält sich Trauma zur ungebrochenen Faszination mit dieser Vergangenheit und ihrer permanenten Wiederkehr in den Medien?
Ein Beispiel ist der Umgang mit der RAF, deren filmische Darstellung Thomas Elsaesser in einem Kapitel vor der Folie des Antigone-Mythos interpretiert. Dabei geht es ihm nicht darum, den Mythos RAF ein weiteres Mal heraufzubeschwören, zu dämonisieren oder zu entpolitisieren, sondern ein neues, vielschichtigeres Beziehungsgeflecht zu umreißen, das die Selbstdarstellung einer Generation auf der Suche nach ihren gültigen Bildern zeigt.
Wenn es manchmal so scheint, als ob im 20. Jahrhundert nichts geschehen sei, ohne dass es von einer Kamera aufgezeichnet wurde, so bedarf es gerade deshalb einer Lesart der Medienbilder, die das Nichtgezeigte an ihnen sichtbar machen und das Nichtsichtbare zeigen kann. Dazu eignen sich vor allem Filme, die die deutsche Vergangenheit mit ganz eigenen Vexierbildern und Wortspielen »bewältigen«, bei denen sich die Fehlleistung als Poetik der Latenz und der Eigensinn als Sprache des Verdrängten erweisen. Bei ihnen kann die vielbeschworene Trauerarbeit erst dann beginnen, wenn das Fehlende in seinem Fehlen präsent bleibt und das Dargestellte weiß, wem oder was es Gewalt antut.

Terror und Trauma
Februar 2007
224 Seiten, 12 x 19 cm, gebunden
ISBN 978-3-931659-83-7
  • Info

    Thomas Elsaesser

    Thomas Elsaesser, 1943 in Berlin geboren. Studium der Anglistik und Germanistik an der Ruprecht Karls-Universität in Heidelberg. 1971 Promotion mit einer Arbeit über die Historiker der Französischen Revolution Jules Michelet und Thomas Carlyle in Comparative Von 1972 bis 1976 lehrte er Englische und Französische Literatur an der University of East Anglia. 1976 gründete er dort zusammen mit Charles Barr eines der ersten selbständigen Institute für Filmwissenschaft (Film Studies Department) in Großbritannien. 1991 erhielt er einen Ruf an die Universität von Amsterdam. Dort gründete er das Department für Film- und Fernsehwissenschaften, dessen Leitung er bis 2000 innehatte. 1992 initiierte er ein internationales Magister- und Doktorandenprogramm, eine Buchreihe (Film Culture in Transition, erschienen bei Amsterdam University Press/Chicago University Press) und war Mitbegründer der Amsterdam School of Cultural Analysis (ASCA), einer Graduate Humanities School nach US-amerikanischem Vorbild. Seit 1976 unterrichtet Elsaesser regelmäßig als Gastprofessor an US-amerikanischen Universitäten wie der University of Iowa, University of California (Los Angeles, San Diego, Berkeley, Irvine, Santa Barbara), New York University. Von 1993 bis 1999 war er Professor II an der Universität Bergen, Norwegen und 2005–2006 Inhaber des »Ingmar Bergman«-Lehrstuhls an der Universität Stockholm. 2006–2007 war er Leverhulme Professor an der University of Cambridge. Außerdem lehrte er mehrere Male als Gastprofessor an der Universität Hamburg, der Freien Universität Berlin und der Universität Wien. 2003 war er Fellow am IFK-Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien, 2004 Fellow am Sackler Institute der Universität Tel Aviv und 2007 »Overseas Fellow« am Churchill College, Cambridge. Seit 2005 unterrichtet Elsaesser außerdem jährlich ein Semester an der Yale University als Gastprofessor. Gemeinsam mit seiner Schwester Regine Elsässer gründete er im März 2009 die Martin-Elsaesser-Stiftung, welche dem Leben und Werk des Architekten Martin Elsaesser gewidmet ist, und bereitet eine Ausstellung über ihn vor. Thomas Elsaesser ist Vorsitzender der Stiftung.