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Knut Ebeling

Wilde Archäologien 1

Theorien der materiellen Kultur von Kant bis Kittler

Wilde Archäologien – das sind Archäologien außerhalb der klassischen Archäologie, die mit einem materiellen Denken der Kultur experimentieren: Von Kants Archäologie der Metaphysik bis zu Kittlers Archäologie der Medien und von Freuds Archäologie der Seele bis zu Foucaults Archäologie des Wissens liegt die Diagnose nahe, dass im letzten Jahrhundert ein verborgener Wechsel von historischen zu archäologischen Leitvorstellungen stattgefunden hat: Das 20. Jahrhundert war archäologisch – und »der Gestus des Archäologen das Paradigma jeder wahren menschlichen Aktion«. (Giorgio Agamben)
Von diesem Paradigmenwechsel hat insbesondere die Kulturwissenschaft profitiert; gerade die aktuelle Karriere der kulturtechnischen Forschung verdankt sich der Verwendung archäologischer statt historischer Modelle: Ihre Mobilisierung von Techniken und Medien, Materialitäten und Empirien, Diskursen und Epistemen wurde durch die archäologische Reformulierung ihrer Methoden und Begriffe ermöglicht. Diverse neue Themen der Kulturwissenschaft – beispielsweise Medien und Archiv, Raum und Gedächtnis – sind nicht zufällig archäologischer Provenienz. Aber auch die neue Nähe zwischen Geistes- und Naturwissenschaften verdankt sich dem archäologischen Eifer eines Jahrhunderts. Schließlich bedienten sich die archäologischen Avantgarden mit der klassischen Archäologie nicht zufällig bei einer Disziplin, die die Grenze zwischen Natur- und Geisteswissenschaft, Text und Technik immer schon überschritten hatte.
Der vorliegende Band schreibt eine Theoriegeschichte nach dem cultural turn und stellt den kulturwissenschaftlichen Aufbruch auf ein breites theoriehistorisches Fundament. Während eine theoretische Begründung der Kulturwissenschaft bislang ausgeblieben ist, legt er eine Theorie der Kulturwissenschaft vor, die auf ihre Revision geisteswissenschaftlicher Methoden reagiert. Durch die Relektüre der Klassiker – und insbesondere durch ihre Zurückfaltung auf die Disziplin- und Diskursgeschichte der klassischen Archäologie – wird die Theoriegeschichte des 20. Jahrhunderts mit einem neuen Akzent versehen und auf die Höhe der kulturwissenschaftlichen Herausforderung gebracht.

Wilde Archäologien 1
2. Auflage ab September 2017 lieferbar.

Mai 2012
768 Seiten, 15 x 23 cm, leinengebunden (mit Stanzung)
ISBN 978-3-86599-156-0
  • Info

    Knut Ebeling

    Prof. Dr. Knut Ebeling, geboren 1970, ist Philosoph, ehemals am Seminar für Ästhetik der Humboldt-Universität zu Berlin und leitete dort das Forschungsprojekt »Archive der Vergangenheit. Wissenstransfers zwischen Archäologie, Philosophie und Künsten. Knut Ebeling ist seit 2009 Professor für Medientheorie und Ästhetik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und Lecturer an der Stanford University Berlin.

    • Knut Ebeling (Hg.), Stephan Günzel (Hg.)  

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      Theorien des Archivs in Philosophie, Medien und Künsten

      broschiert, 300 Seiten
      22,50 EUR
    • Knut Ebeling (Hg.), Stephan Günzel (Hg.)  

      Archivologie

      Theorien des Archivs in Philosophie, Medien und Künsten

      broschiert, 272 Seiten
      19,90 EUR
    • Georges Didi-Huberman, Knut Ebeling  
      gebunden mit Schutzumschlag, 222 Seiten
      16,90 EUR
    • Knut Ebeling, Kai Schiemenz  

      Stadien

      Eine künstlerisch-wissenschaftliche Raumforschung

      Klappenbroschur, 192 Seiten
      22,50 EUR
    • Knut Ebeling  

      Wilde Archäologien 2

      Begriffe der Materialität der Zeit – von Archiv bis Zerstörung

      leinengebunden (mit Stanzung), 568 Seiten
      34,80 EUR

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