28.04.2022 16:00

Fälschung und FakeUnser Newsletter im April

Heute haben wir großartige Neuigkeiten für Sie: Der Kulturverlag Kadmos wird ganz bald zu einem so großen und reichen Verlagshaus werden, dass er Ihnen als Dank für Ihre Treue eine Palette Bücher frei Haus liefern wird. Der Grund für unseren plötzlichen Wohlstand ist ein in einem Keller in Berlin-Moabit entdecktes Manuskript von einer bis dato völlig unbekannten Nobelpreisträgerin für Literatur – wir dürfen leider keine weiteren Details nennen. Alles, was Sie tun müssen, um die Bücher zu bekommen, ist, diesen Newsletter bis zum Ende zu lesen und uns anschließend eine Spende in Höhe von 100.000 Euro zu überweisen, damit wir die aktuell durch die Decke schießenden Papierkosten für ein so derart prestigeträchtiges Projekt stemmen können.

Sie fragen sich nun sicher: Welchen Titel werden wir Ihnen wohl so großzügig liefern? Natürlich den Band von Martin Doll, der vor Kurzem (wirklich!) in dritter, überarbeiteter und mit einem neuen Nachwort versehenen Auflage erschienen ist: Fälschung und Fake. Zur kritischen Dimension des Täuschens. Ob handgeschnitzte »Fossilien«, Gesänge eines kaledonischen Barden aus dem 3. Jahrhundert oder erfundene Prominenten-Interviews – die Liste spektakulärer Fälschungen und Fakes ist lang und vielfältig. Anhand von Fallgeschichten verfolgt Martin Doll in seinem Buch zwei zentrale Fragen: Was waren die Umstände, die zur Akzeptanz der Falsifikate geführt hatten? Und welche diskurskritischen Effekte folgten jeweils aus den Aufdeckungen? Vor dem Hintergrund einer Relektüre von Michel Foucaults archäologisch-genealogischen Texten entwickelt Martin Doll eine Theorie der Fälschung und des Fake.

So viel hanebüchener Lug und Trug geht Ihnen gewiss unter die Haut. So wie auch eine weitere Neuerscheinung dieses Monats: Hautlichkeit. Oberflächen in Wissenschaft und Design, herausgegeben von Gottfried Schnödl und Christof Windgätter, ist ab sofort erhältlich. Von Entwicklungen in Architektur und Raumplanung über medizinische Behandlungsformen, Materialforschungen der Physik oder militärische Tarntechnologien bis hin zu Erfindungen der Kleiderindustrie, den Modalitäten des Interfacedesigns oder Klangbildern der Musik spielt die Auseinandersetzung mit Oberflächen gegenwärtig eine zentrale Rolle. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Fassaden, Häute, Außenseiten, Hüllen, Schirme, Stile etc. nicht mehr als defizitäre, zweitklassige oder nachgeordnete Formationen einer privilegierten »Tiefe« gegenüberstellen, sondern sie zu etwas Eigenständigem um- und aufwerten. Ebenso werden auch begriffliche bzw. theoretische Konzeptionen der Oberfläche heute zunehmend reflektiert und transformiert, um Dualismen von Vorder- und Hintergrund, Innen und Außen, Wesen und Erscheinung zu dekonstruieren. Der neue Band aus der Reihe DesignWissen greift diese Entwicklungen auf und macht unter dem nietzscheanischen Stichwort »Hautlichkeit« sowohl den praktischen Umgang mit Oberflächen als auch theoretische Reflexionen der Oberflächlichkeit zum Thema.

Übrigens ist seit Kurzem auch Die Teufelin steckt im Detail wieder lieferbar. Der von Antje Baumann und André Meinunger herausgegebene Band beschäftigt sich mit der Debatte um Gender und Sprache und ist auch als E-Book erhältlich. Die Diskussion um die sogenannte geschlechtergerechte Sprache wird im deutschen Sprachraum seit den 1970ern geführt. Dabei geht es um sprachliche Erscheinungen wie das generische Maskulinum, das Pronomen man, das Binnen-I (FußgängerInnen), Paarformen (Wählerinnen und Wähler) oder Partizipialausdrücke (Studierende, zu Fuß Gehende). Der Diskurs wird immer aggressiver geführt, auch mit Mut und Ironie, neuerdings auch mit Hass. Alte Argumente werden wiederholt, immer neue Vorschläge gemacht (dynamischer Unterstrich, Gender-Bindestrich-Stern), aber die Parteien sind scheinbar unversöhnlich. Das Buch mit Beiträgen ganz unterschiedlicher Autoren und Autorinnen liefert einen Überblick darüber, was derzeit an Argumenten vorgebracht wird: für eine Entemotionalisierung der Debatte.

Regelrecht überemotional waren wir angesichts der schönen Rezension zu Marie Parakenings’ Kölner Tiere, die am 21.04. in der Kölnischen Rundschau erschienen ist. »Gebunden, liebevoll aufgemacht, mit Ausklapp-Inventar und so ge- und beschrieben, dass Groß und Klein gleichermaßen ihren Spaß haben und Neues lernen können« – wir hätten es selber kaum besser beschreiben können.

Zum Schluss verweisen wir noch auf zwei Veranstaltungen: Am 7. Mai werden wir am Stand des Brandenburgischen Zentrums für Medienwissenschaften (ZeM) die Bücher unserer Kooperation beim Potsdamer Tag der Wissenschaften präsentieren. Wer Lust hat, sich über die Arbeit des ZeM und Fördermöglichkeiten zu informieren und nebenher spannende Bücher zu inspizieren, ist herzlich eingeladen, zwischen 13 und 20 Uhr mal beim Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie vorbeizuschauen (weitere Infos hier). Eine Übersicht über die Bücher der ZeM-Reihe finden Sie hier auf unserer Website.
Außerdem wird Maike Sarah Reinerth am 10. Mai ihr Buch Erinnerung und Imagination im Spielfilm im Rahmen des ersten Babelsberger Buchsalons an der Filmuniversität Babelsberg vorstellen. Beginn ist um 18 Uhr, sämtliche Infos gibt es hier auf der Website der Filmuniversität.

Nun bleibt uns nur noch, Ihnen zu verraten, wie Sie uns helfen können, das eingangs erfundene Szenario doch noch in die Realität umzusetzen: durch eine Bestellung in unserem Online-Shop. Wer weiß, vielleicht eröffnen wir mit dem neuen Vermögen ja dann auch bald unseren eigenen Nachrichtendienst (Namensvorschläge sind herzlich willkommen), bei dem dann WIRKLICH nur Wahrheiten – und gute Bücher – gepostet werden. Einen guten Vorgeschmack gibt es schon seit Längerem auf Instagram. Übrigens ist sogar die Idee für dieses Schreiben geklaut: Wir haben das Thema schon vor einigen Jahren in einem anderen Newsletter zur absoluten Perfektion gebracht (die FAZ berichtete).

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Stöbern in unserem Programm und verbleiben
mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfram Burckhardt
und das Team des Kulturverlags Kadmos

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