04.08.2022 12:00

Sommer, Sonne, RetrocomputingUnser Sommer-Newsletter

Es sind Sommerferien, schon seit einigen Wochen ist es sehr ruhig in Berlin-Moabit. Wir schaffen gerade noch neuen Platz in unseren Regalen und bereiten uns auf einen geschäftigen Herbst vor, mit Buchmessen, Designmärkten, wissenschaftlichen Veranstaltungen und natürlich weiteren schönen Neuerscheinungen. Bevor auch wir dann in Kürze eine wohlverdiente Pause einlegen, möchten wir Ihnen in diesem Sommer-Newsletter noch die ektuellen Neuerscheinungen vorstellen:

Druckfrisch erschienen ist unser langersehntes Programm-Highlight zum Thema Klimakrise und Artensterben. Aussterben. Eine radikale Geschichte ist eine Übersetzung aus dem Amerikanischen. In seinem kompakten Text wirft der Professor (City University of New York) und Aktivist Ashley Dawson einen kapitalismuskritischen Blick auf die dramatische Krise des Artensterbens und beschreibt, inwiefern die Grenzen zwischen Wissenschaft, Umweltschutz und Politik überwunden werden müssen, um die Biodiversität zu schützen. Ashley Dawson bringt die Bedrohung der Lebensräume ins Bewusstsein, bietet erhellende Perspektiven und interessante Lösungsansätze – eine absolute Lektüreempfehlung!

Eine weitere Neuerscheinung, auf die wir uns lange gefreut haben, ist das Buch über die Oper von Stefan Zednik: »Die Mörder sitzen in der Oper!« Seine Erkundungen einer unzeitgemäßen Kunst erforschen in sieben Essays den spannenden Zusammenhang von Oper und Politik, Musik, Libretto und Zeitgeschehen. Georg Waßmuth bezeichnete das Buch im SWR 2 bereits als »gesellschaftskritisches Werk (...), das nicht nur für Opernfans lesbar und erhellend ist« (hier nachhörbar), und auch Tobias Prüwer betont im aktuellen Leipziger Kreuzer die spannenden Zusammenhänge, die Stefan Zednik zwischen dem Musiktheater und historischen Ereignissen aufzeigt. Ein Buch, das definitiv Lust auf die neue Opernsaison macht!

Des Weiteren ist im Juli der neue Sammelband von Dirk Hohnsträter und Stefan Krankenhagen erschienen. Nach einer interdisziplinären »Standortbestimmung« in Konsumkultur (Juli 2019) geht es in Konsumvergnügen um den Zusammenhang von Konsum und Populärkultur. Das Buch widmet sich den hedonistischen Seiten des Konsums und ihren ästhetischen Formen sowie dem Zusammenspiel von Unterhaltungs- und Konsumkultur. Vom Drogeriemarkt bis zu YouTube: In der »joyful economy« bilden sich vielfältige Allianzen aus Popkultur und Konsum heraus, und die Kommunikation über Konsum spielt sich immer mehr in neuen Kanälen (Stichwort »Influencer:innen«) ab.

Von modernen Medienformaten geht es über in die Welt des Retro: Der Medienwissenschaftler, Publizist und Journalist Stefan Höltgen hat mit Open History eine Archäologie des Retrocomputings verfasst. Im Retrocomputing werden frühe Mikrocomputer von Hobbyisten gesammelt, repariert, erweitert und in ihren technischen und historischen Facetten erforscht. Das Buch widmet sich der Computerarchäologie sowie dem Retrocomputing als Archäographie und Wissenspraxis. Wer noch mehr über die Arbeit von Stefan Höltgen erfahren möchte, dem sei auch der Film Ich rechne, also bin ich – Künstliche Intelligenz und menschliche Identität von Volker Strübing empfohlen, der am Samstag (06.08.) auf 3Sat gezeigt wird (Infos hier). Stefan Höltgen liefert in dieser Dokumentation wertvolle Beiträge über die Geschichte, Technologien und Ethik der KI.

Ebenfalls im Juli erschienen ist die neue Auflage der Taschenbuchausgabe von Anton Wilhelm Amo. Philosophieren ohne festen Wohnsitz. Ottmar Ette schreibt in diesem Band über den Philosophen Anton Wilhelm Amo, der, um 1700 an der damaligen afrikanischen »Goldküste« geboren und als Sklave von Holländern an den Wolfenbütteler Hof verschenkt, zu einem brillanten Denker der Aufklärung wurde. Das Buch versucht, die verschüttete Tradition eines Denkens zwischen Europa und Afrika sowie jenseits des Biographischen die Konturen eines Philosophierens ohne festen Wohnsitz freizulegen, das unseren Blick auf das 18. Jahrhundert verändert. Spätestens mit der Umbenennung einer Berliner U-Bahn-Station in Anton-Wilhelm-Amo-Straße ist sein Name verstärkt ins öffentliche Bewusstsein getreten, und das Buch ist eine Empfehlung für alle, die sich mit ihm und seiner Arbeit auseinandersetzen möchten.

Für den August kündigen wir die englische Übersetzung von Britta Langes Buch über die historischen Tonaufnahmen von Kriegsgefangenen an: In Kürze wird es Captured Voices. Sound Recordings of Prisoners of War from the Sound Archive 1915 – 1918 exklusiv als E-Book geben (inkl. Audio-Streams). Die Kulturwissenschaftlerin Britta Lange erforschte Tonaufnahmen aus dem Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin, angefertigt in deutschen Lagern während des Ersten Weltkriegs. Im Buch geht sie jenen Stimmen nach, die heute auf Schellackplatten erhalten sind: Wie können die historischen Zeugnisse heute nicht nur gehört, sondern auch erhört werden? Und welche Formen der Übersetzungen fordern sie heraus? Gefangene Stimmen ist 2019 erschienen und wurde von Dr. Rubaica Jaliwala ins Englische übersetzt.

Wieder lieferbar ist ab sofort das Buch Galizien und Lodomerien. Eine Spurensuche von Marc Sagnol. Darin durchstreift er die ehemaligen »Kronländer«, die heute vor allem auf dem Gebiet der westlichen Ukraine liegen. Marc Sagnol war von 1996-2000 Direktor des Institut Français in Kiew; seine persönliche wie historische Spurensuche führt ihn zur verschollenen österreichischen, polnischen und jüdischen Kultur des ehemaligen Vielvölkerlandes und den zahlreichen Schriftstellern, die dort gelebt und geschrieben haben. Illustriert wird seine Spurensuche von zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotografien, die er im Zuge seiner Reisen aufgenommen hat.

Auch in der Herstellung von E-Books waren wir in letzter Zeit sehr fleißig: Die Genesenden. Medical Humanities Revisited von Patricia A. Gwozdz ist jetzt auch digital erhältlich, übrigens auch Aussterben von Ashley Dawson, »Die Mörder sitzen in der Oper!« von Stefan Zednik, Open History von Stefan Höltgen und Galizien und Lodomerien von Marc Sagnol.

Bevor wir uns in die Sommerpause verabschieden, legen wir Ihnen zum Schluss noch ein paar Urlaubslektüren ans Herz: Für packende Schmökerstunden in der Hängematte sei das technoide Märchen KRYONIUM. Die Experimente der Erinnerung von Matthias A. K. Zimmermann empfohlen. Wer noch einen sommerlichen Besuch der Hauptstadt plant, schaue doch mal in »Berlin bewegt sich schneller, als ich schreibe« Das Neue Berlin aus französischer Sicht von Dorothee Risse und Margarete Zimmermann. Und für alle, die gerne mit Biografien im Gepäck in den Urlaub verreisen: Kennen Sie schon Dorothy Steins Buch über Ada Augusta Lovelace? Sicher eine Pflichtlektüre für alle, die sich anschließend dem Retrocomputing widmen möchten.

Übrigens: Unsere Website im aktualisierten Gewand wird in diesem Monat ein Jahr alt. Anlässlich dieses Jubiläums verweisen wir noch mal auf unseren Webshop, in dem Sie als registrierte:r Kund:in im Moment noch automatisch 10% Rabatt auf die Kalender für dieses und nächstes Jahr erhalten. Alternativ können Sie uns auch diesen Sonntag (07.08.) auf dem Berliner Weddingmarkt besuchen, wo wir unsere neuen Kalender ebenfalls im Gepäck haben werden.

Wir freuen uns, Sie im September wieder mit Buchtipps und Verlagsnews zu versorgen. Bis dahin wünscht unser gesamtes Team Ihnen einen schönen Sommer mit guter Erholung. Und natürlich mit guten Büchern.

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