04. März 2020

Hamster-Paket

Unser Newsletter im März

Nun ist es leider offiziell: Bedauerlicherweise wurde die Leipziger Buchmesse gestern abgesagt. »Wegen Corona-Virus«, um eine der ersten Schlagzeilen der gestrigen Stunde zu zitieren (BILD.de). Wegen allgemeiner Unklarheit darüber, wie es in den kommenden Tagen (Wochen, Monaten, Jahren...) weitergeht und wegen Frust über all die schönen Begegnungen, Möglichkeiten und Erlebnisse, die uns und unseren Autor*innen nun traurigerweise entgehen, bleibt uns in dieser Situation der Ratlosigkeit, Ihnen vor allem eins zu empfehlen: Tätigen Sie Hamsterkäufe! Preppen, horden und: hamstern Sie. Kaufen Sie Goldhamster, Zwerghamster, Streifenhamster... Aber mal im Ernst (für den dieser Newsletter eher weniger bekannt ist): Jetzt ist die Zeit, um sich mit dem wichtigsten Gut einzudecken, das der Mensch in Zeiten drohender Quarantäne braucht. Nämlich Bücher. Selten ist dies einfacher als zur Messezeit im Frühjahr, wenn die Verlage in den Startlöchern stehen, um Ihnen ihre Schätze zu präsentieren.

Die drei spannenden Lesungen, die wir Ihnen, liebe enttäuschte Besucher*innen der Buchmesse, stolz präsentieren wollten, können wir Ihnen vorerst nur in Form dieses Newsletters vorstellen – zu einem wehleidigen Rasseln der allgemeinen Hätte-hätte-Fahrradkette:

Gestartet wären wir direkt am Donnerstag  mit Matthias A. K. Zimmermanns Roman »KRYONIUM. Die Experimente der Erinnerung«. Anstelle der Leseinsel Phantastik 1 muss allen Fans spannender wie tiefgründiger Fantasy- und Scifi-Literatur nun zum Beispiel das heimische Sofa als Location dienen, um in die spannende Geschichte einzutauchen: Im Mittelpunkt dieser steht die Flucht der Hauptfigur aus einem mysteriösen Schloss, während der sie immer tiefer in einen wirren Strudel aus rätselhaften Begegnungen und magischen Paranoia hineingerät. Der All-Age-Roman ist eine fesselnde Erzählung mit überraschenden Wendungen.

Für den Messefreitag hatten wir ein Gespräch mit Hans Martin Esser über sein Buch »Die große Klammer. Eine Theorie der Normalität« in petto. Diese »ungefähre Theorie eines unsauberen Autors zu einem unordentlichen Thema« bildet einen überaus spannenden Gegenpol zu herkömmlichen philosophischen Werken und ist natürlich in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen – die so gar kein Gefühl von Normalität aufkommen lassen wollen – eine absolut relevante Lektüre: Gibt es »die eine große Klammer – die Normalität, welche sozusagen in Anspruch nehmen kann, über anderen zu stehen«?

Ebenfalls ausfallen muss die Lesung zu Marie Parakenings’ »Berliner Tieren«, die am Samstag hätte stattfinden sollen. Nachdem uns die Veranstaltung im Berliner Artenschutztheater vorletzte Woche so viel Spaß gemacht hat, hätten wir gerne noch einmal dazu eingeladen, gemeinsam mit der Autorin und Illustratorin über Knoblauchkröte, Nashornkäfer und Co. zu lernen. Dies müssen Sie nun wohl selber tun, nebenbei lassen sich bei einem städtischen Erkundungsspaziergang übrigens gut die Abwehrkräfte stärken.

Wenn Sie gerade dabei sind, Ihre Regale mit bibliophilen Vorräten aufzufüllen, werfen Sie doch auch einen Blick auf die Kadmos-Neuerscheinungen. Folgende Titel werden in Kürze erhältlich sein:

In Ihrem neuen Buch »Gefangene Stimmen. Tonaufnahmen von Kriegsgefangenen aus dem Lautarchiv 1915 – 1918« erforscht die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Britta Lange historische Aufnahmen aus dem Lautarchiv der Humboldt-Universität, die während des Ersten Weltkriegs in deutschen Lagern angefertigt wurden. In neunzehn Kapiteln, die durch neunzehn Tracks auf der beiliegenden Audio-CD ergänzt werden, geht sie jenen Stimmen nach, die heute auf Schellack erhalten sind, wobei jedes Kapitel eine neue Begegnung darstellt und vielschichtige Fragen aufwirft: Wie können die historischen Zeugnisse heute nicht nur gehört, sondern auch erhört werden? Und welche Formen der Übersetzungen fordern sie heraus? In mehrfacher Hinsicht gefangen offenbaren die Stimmen in dieser umfangreichen Studie nicht nur ihre historische Gemachtheit als Tonaufnahme, sondern sie sind auch in der Lage, gegenwärtige Deutungen von archivarischer und wissenschaftlicher Praxis zu reflektieren.

Des Weiteren freuen wir uns auf die ganz bald erscheinende Anthologie von Dorothee Risse und Margarete Zimmermann. Die beiden Herausgeberinnen versammeln in »›Berlin bewegt sich schneller, als ich schreibe‹ Das Neue Berlin aus französischer Sicht« Texte verschiedener französischer Autor*innen, die ihre Eindrücke der Hauptstadt literarisch verfasst haben. Sämtliche Texte entstanden in der Zeit nach dem Mauerfall, einige davon liegen nun erstmals in deutscher Übersetzung vor. Ergänzt durch stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Fotografien enthält der schöne Band Texte von unter anderem Marie NDiaye, Patrick Modiano, Claude Lanzmann und Cécile Wajsbrot.

Kadmos-Bücher haben bekanntlich kein Verfallsdatum. Einigermaßen behutsam behandelt und bei Nichtgebrauch sorgfältig verstaut halten sie jahrzehntelang. Kaufen Sie daher reichlich, man kann schließlich nie genug Bücher-Vorräte im Haus haben. Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern, stellen wir Ihnen zum Schluss noch das »Super-Hamster-Angebot« vor, in dem wir einzelne Titel ab sofort zu niedrigeren Preisen anbieten. Damit in apokalyptisch anmutenden Zeiten auch der strapazierte Geldbeutel eine anregende Lektüre ermöglichen kann. So ist zum Beispiel der Titel »Konflikt als Beruf« von William Rasch ab sofort für 4,90€ erhältlich. Ebenso die »Gespräche über Geschichten mit Alexander Kluge« von Rainer Stollmann und der schöne Band »Warum haben Sie keinen Fernseher, Herr Luhmann?« von Wolfgang Hagen (Hg.), einem einstigen Beststeller unseres Programms. Dirk Baeckers Analyse »Wozu Gesellschaft?« ist für 9,90€ erhältlich, außerdem Marshall McLuhans und Quentin Fiores »Krieg und Frieden im globalen Dorf«. Abgerundet wird die Super-Sonder-Aktion (natürlich!) durch Birger P. Priddats »Kleingeld. Die verborgene Seite des Geldes« (ab sofort für 5,40€). Alle Bücher zusammen verkaufen wir, solange der Vorrat reicht, für 39,90€ als Buchpaket – geben Sie einfach »Hamster-Paket« in die Suchleiste unseres Webshops ein.

Wir hoffen, dass sich die Enttäuschung über den Ausfall der Buchmesse ganz bald verarbeiten lässt.
Bleiben Sie gesund. Lesen Sie Bücher.

Herzlichst
Ihr Wolfram Burckhardt
und das Team des Kulturverlags Kadmos Berlin